Kategorie: Brügge & London 2017

London calling

In aller Herrgottsfrühe schälen wir uns von den Matratzen, packen zusammen und sitzen auch schon im guten alten Schaukelbenz Richtung Fähre. Aber halt – kurz vorher gabs ein klitzekleines ganz leise gesungenes Ständchen im Dachzelt vom JAN für mich. Happy Birthday to meeeee!

Zehn Uhr soll die Fähre ablegen und wir waren froh, rechtzeitig losgefahren zu sein. Seit diversen Vorkommnissen in Europa sind die Kontrollen an den Grenzen zur Insel verschärft worden und das Einreiseprozedere dauert von daher sehr lange. An der französischen Grenze und auch an der englischen mussten wir jedes Mal unser Dachzelt öffnen. Man begutachtet unser tolles Bettzeug, nickt wohlwollend und wir konnten weiter düsen. Die Fähre war glücklicherweise extrem leer und wir genossen eine entspannte Überfahrt. So leer hab ich die Fähre noch nie erlebt, kein Gerangel um die Plätze an der großen „Windschutzscheibe“. Für Phinekind und Mr. M war es das erste mal, dass sie auf einer solchen Autofähre waren und sie verbrachten einen großen Teil oben auf Deck. Mit Blick auf die wunderschönen Kreidefelsen von Dover legen wir in England an.

Phinekind hatte im Vorfeld ein wenig recherchiert und möchte unbedingt mit uns auf die Burganlage von Dover. Genau die steuern wir auch an, nachdem wir den kleinen Schaukelbenz vom großen Schaukelkahn gefahren haben. Oben auf dem Felsen angekommen, die riesige Burganlage schon im Visier, stehen wir auf einmal vor einem Tickethäuschen und uns bleibt fast das Herz stehen, als wir die Preise lesen. Die wollen doch sage und schreibe £24 pro Näschen. Ja sagemal, spinnen die denn mal ganz gepflegt? Nein, da sind wir uns alle flink einig, dass wir diesen Wucher nicht mitmachen. Also sagen wir nett „tsänkju“ und wenden unser Gefährt, um den Berg wieder herunter zu düsen. Ins Navi häckeln wir den von uns anvisierten Campingplatz in London ein und biegen ab auf die Autobahn.

Der Verkehr wurde immer dichter, die leider defekte Klimaanlage tut ihr übriges, und wir sind recht kaputt, als wir das letzte mal „left“ abbiegen und vor einem Schild stehen bleiben: „Site full!“ Was? Echt jetzt? Campingplätze um London herum sind eh rar gesät und liegen so schon nicht wirklich günstig. Und jetzt das? JAN schwingt sich raus und steuert auf die Dame im Shop zu. Die gute Steph kann uns aber beruhigen, sie haben nur keine Stellplätze mehr für Wohnmobile & Co. Pffffft. Haben wir ja eh nicht. Zelt ist unser Motto. Steph hält eine kleine telefonischen Konferenz mit anderen Entscheidern und erlaubt uns dann aber, mit dem Auto-Dachzelt auf die Camperwiese zu fahren. Gestern erst mussten nämlich sie einen VW Camper Van wegschicken, weil laut Regularien keine Campermobile auf der Zeltwiese erlaubt sind. Hihi. Glück gehabt. Andererseits sind wir glaube die Einzigen, die mit einem Mercedes Benz E-Klasse Kombi zelten fahren. Naja, normal kann jeder.

Wir entern also glücklich und zufrieden den Platz, suchen uns eine geeignete Stelle aus, bauen das Zelt für Phinekind und Mr. M auf und chillen ab. Immerhin hab ich ja heute auch GEBURTSTAG!!!! Ich werde von meinen Lieben überrascht mit einer Kerze-to-go und einem Gutschein zum Raften auf dem Rhein. Na das wird ja ein Spaß. Ich bin total begeistert und werde davon bloggen, wenn es soweit ist.

Nach einer kleinen Verschnaufpause lassen wir uns von der guten Steph in die Geheimnisse der Öffis in London einweisen, erstehen je eine Green Oyster Card und besteigen einen der gefühlt tausend roten Doppeldeckerbusse. Eine ganze Stunde dauert die Fahrt ins Herz der Stadt, der Bus hält an JEDER Haltestelle, die manchmal echt nur ein Steinwurf voneinander entfernt sind. Man kann die eine schon von der anderen aus sehen! Verrückt, die Engländer. Aber wir thronen zu viert oben hinter der Scheibe und genießen sie Aussicht. Unser erstes Ziel für heute? Natürlich das HARD ROCK CAFE. Wie soll es auch anders sein? Der Laden ist brechend voll, es gibt nur noch ein paar Stehplätze an der Theke und so ziehen wir nach nem Bier für jeden und einen Magneten weiter. Der Hunger quält uns alle ein wenig und nach einer flinken Recherche im Smartphone soll „man auf keinen Fall Carnaby in Soho verpassen“. Ab in den passenden Bus und kurze Zeit später stehen wir im wohl hippsten Teil Londons. After Work wird hier groß geschrieben, das Wetter passt und so stehen tausende Menschen vor den Lokalen und nehmen den „Feierabend“ sehr wörtlich. Wir ziehen kurz durch die Gässchen dieser Amüsiermeile, stellen aber fest, dass das so garnicht unseren Vorstellungen entspricht und beschließen, zurück zu fahren und in der Gegend von unserem Campingplatz einen Pub aufzusuchen, der uns schon mittags aufgefallen ist, als wir unsere OysterCards besorgt haben.

Draußen in SYDENHAM gehen die Uhren etwas anders und hier findet man kleine gemütliche Kneipen, die sogar gut gefüllt sind für einen Montagabend. In einer bestellen wir uns ein  Abendessen, auch wenn mir mein Gatte doch tatsächlich das falsche an der Theke bestellt und den Rest des Abends darüber untröstlich scheint. Nicht schlimm. Seine falsch bestellten Cheesemaccaroni sind garnicht so schlecht, auch wenn mich der Chicken-Pie glücklicher gemacht hätte. Das Missverständnis spülen wir mit einem Bier hinunter und schwirren ab Richtung Zelt, wo wir auch bald ziemlich müde in die Kojen verschwinden. Leider bin ich zu früh zu Bett gekrabbelt, denn die anderen erzählen mir am nächsten Morgen, dass sie den Fuchs gesehen haben, der hier auf dem Platz wohnt.

Genau – der nächste Morgen. Ja, der weckt uns leider mit einem wolkenverhangenen Himmel. Echt jetzt? Der einzige Sightseeing-Wir-gucken-uns-heute-ALLES-an-Tag für London, den wir haben und dann solches Wetter? Ein englische Frechheit, finde ich. Ein einziger Tag bleibt uns, die Metropole zu erkunden und alle „very important“ Gebäude zu besichtigen. Mr. M hat mir eine Will-ich-sehen-Wunschliste aufgezählt, die ich im Vorfeld durchgeplant habe – London an einem Tag! Wir zogen los mit einem auf Papier gebannten Rundweg und sollten laut diesem an der Victoria Station beginnen. Fest der Überzeugung, dass unser Bus uns genau bis dahin fährt, steigen wir gut gelaunt in einen solchen ein – um eine Stunde später festzustellen, dass er mal eben schön an dieser Station vorbeituckert. Wir fahren also notgedrungen in die vorerst falsche Richtung weiter, lassen uns rauswerfen und müssen erstmal unsere Mägen mit einem kleinen Frühstück füllen. Das kann man in London gut, gesund und sogar preiswert in einer der vielen „EAT“-Filialen tun. Saulecker! Jede Menge frisch belegte Sandwiches, Suppen, Pies, alles take-away oder zum dort essen. Gut gestärkt ziehen wir also los zum Startpunkt meiner ausgearbeiteten Liste.

Die Victoria Station
Die besichtigen wir kurz – großer Bahnhof – extrem viel los – noch vielere Menschen und erstrecht viel Polizei. Ein schönes Gebäude ist sie alle mal, aber eben im Endeffekt dann doch „nur“ ein Bahnhof. Wir drehen uns im Kreis, machen ein paar Fotos und ziehen weiter zum nächsten Halt. Ganz London scheint eine riesige Baustelle zu sein. Überall wird gebuddelt, geschraubt und ist abgesperrt. Aber schön zu sehen, dass auch hier alte Fassaden erhalten werden. Wie schon in Brügge sehen wir auch hier Baustellen, auf denen nur noch die ehemalige Hülle des Hauses steht, dahinter werden komplett neue Blocks hochgezogen. Toll. Aber uns ziehts zu einem echten alten Bau.

Der Buckingham Palace
Er steht ziemlich beeindruckend nicht weit entfernt und uns erwartet hier auch schon wieder eine riesengroße Menschenmeute. Logisch, alle Stopps auf unserer Liste sind ja DIE Besuchermagnete schlechthin. Egal. Wir drängeln uns an den Zaun durch, betrachten das riesengroße Gebäude, fragen uns, wer bitteschön in all diesen Räumen was genau tut, wo „Lisbeth“ sich wohl grade aufhält, machen ein paar Fotos, drehen eine Runde um das schöne Victoria Memorial und lassen den Palast auch schon wieder Palast sein. Das Wetter ist leider leider noch immer ziemlich bescheiden, ein furchtbar grauer Himmel, der sämtliche Farben verschluckt. Den Weg zum nächsten Punkt nehmen wir durch den Royal Park, der sich als wunderschöne Blumenanlage um einen See entpuppt. Wir sind begeistert, denn hier sind unzählige Seevögel zu sehen. Enten, Schwäne ja sogar Möwen tummeln sich hier und halten als Fotomotive her. Überall stehen Sonnenliegen und alles wirkt total chillig gegenüber der Hektik in der Stadt. Wir genießen die kleine Auszeit vom Trubel und schlendern komplett durch den Park, der uns an seinem Ende genau am nächsten Halt entlässt.

Das Old Admiralty Building
Ein Tipp aus dem Internet. Ein verstecktes Gebäude, welches genau wie alle hier im Umkreis viel Geschichte atmet. Nunja, es versteckt sich richtig gut. Wir haben es nämlich nicht gefunden. trotz guter Beschreibung, trotz Bilder – keine Chance. Ich weiß nicht, welcher Fehler uns unterlaufen ist. Immerhin ist es ein großer Bau, den muss man doch finden. Dachten wir – Fehlanzeige. Wir geben die Suche auf und schieben uns wieder in die Menschenströme auf der Hauptstraße. Irgendwie haben wir wohl den Schulklasse-Ausflug-Dienstag erwischt. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viele Schulklassen aus aller Herren Länder gesehen. Immer voran eine rotgesichtige, panisch dreinblickende Lehrerin, der man den Stress in jeder Körperfaser ansah, ihre Schäfchen heil durch dieses Chaos zu bringen. Die Kids waren meistens mit ihren Augen und Gedanken auf dem Smartphone in ihren Händen. Man sollte einfach eine App entwickeln, die die Klasse zusammenhält, am besten alle per Bluetooth vernetzt und alarmschlagend, wenn sich eines der Schafe von der Herde entfernt. Das wäre sicherer, als dieses ständig gerufene „Stand by me, stay together please!“ Ich möcht den Job nicht machen. Vorbei am Trafalgar Square, den wir ein wenig mit Missachtung strafen und an der schwer beschützten Downing Street – nur gucken, nicht näher kommen – sehen wir schon unseren nächsten Halt.

Der guten alte Big Ben am Westminster Palace
Auch wenn ich diesen Blog weitestgehend unpolitisch halten wollte, komme ich nicht umhin, eben doch mal in dieses Thema rein zu gehen. Denn hier fand vor ein paar Wochen ein Anschlag statt. Und genau das denkt man die ganze Zeit, wenn man an diesem wunderschönen Gebäude vorbei läuft und durch die Zäune späht. Mir läuft ein Schauer über den Rücken bei dem Gedanken, dass gerade hier, wo so viele gut gelaunte Menschen unterwegs sind, so etwas Hässliches passiert. Wir laufen Fotos knipsend am Palast vorbei, passieren die wundervolle Westminister Bridge, um von anderen Ufer der Themse noch zu versuchen, den Palast in seiner vollen Größe zu fotografieren. Wir nehmen die Unterführung, um auf der anderen Seite am Ufer weiter zu schlendern. Vorbei am London Eye, welches wir nicht fahren, laufen wir dem Fluß abwärts vorbei an an den Amüsiermeilen und Touristenfallen. Wir holen uns ne Kleinigkeit zu futtern (wieder im EAT! mjamm) und suchen uns ein nettes Plätzchen, um ein schönes kaltes Bierchen oder im Fall von Phinekind einen ihrer heißgeliebten Cider zu zischen. Wir finden einen tollen Ort – Gabriels Wharf / Eat-Shop-Drink. Hier reihen sich Andenkenläden an Kunsthandwerkshops, Restaurants, Fahrradverleih und eben auch Bars, hier sind wir richtig. Die Pause tut gut, denn die Füße glühen und außerdem genießen wir, dass der Himmel so langsam aufklart, man kann sogar schon ein wenig Blau sehen. Gestärkt und mit guter Laune steuern wir den nächsten Stop an.

Die Millenium Bridge
Die wollte ich unbedingt sehen, kannte ich sie ja schon aus dem letzten Teil der Harry Potter Filme, in denen sie von Totessern attackiert und zerstört wird. Sie hat eine wirklich beeindruckende Architektur und nehmen natürlich diesen Weg über die Themse. Ich beobachte vor uns eine Frau, die immer wieder anhält, ihren Fotoapparat ganz nah an den Boden führt und etwas fotografiert. Neugierig bleibe ich stehen und schau mir an, was sie so sehr interessiert. Und tatsächlich. Davon haben wir sogar schon mal gehört. Da hat jemand in mühevoller Kleinarbeit breitgelatsche Kaugummireste bemalt. Miniaturkunstwerke sozusagen. Streetart der anderen Art. Wir sind total begeistert. Was für eine Arbeit. Hier ist ein Link für die, die es genauer wissen wollen.  Schon von der Brücke aus hat man einen tollen Blick auf den vorletzten Punkt auf unserem London-Spaziergang.

Die St. Pauls Cathedrale
Wir haben es ja im Allgemeinen nicht so sehr mit Kirchen. Ich als „sozialistisch erzogenes“ Mädchen weiß nicht mal ansatzweise, was da so passiert. Wer, wie, wo was …? Egal. Aber die Häuser mit ihrem Prunk, ihrer Detailverliebtheit und auch ihrer Protzigkeit beeindrucken mich immer wieder. JAN gehts genauso, darum suchen wir sie auf Reisen immer wieder auf. So auch dieses gute Stück hier. Der Eintritt ist kostenlos, eine Führung mit Aufstieg in die Kuppel kostet aber, das sparen wir uns. Wir sitzen andächtig in der ersten Reihe und sind einfach nur baff und überwältigt von der Schönheit dieses Kirchenhauses. Fotografieren ist leider absolut verboten und wird sind artig und lassen es auch. Wir treten wieder hinaus in die nun endlich scheinende Sonne und lassen uns von einem Bus (jaja – die armen Füße!) zum letzten Stop auf der AIKA-Liste fahren.

Der Tower mit seiner Tower Bridge
Wir kommen dort an – aber nicht mehr rein. Ende – Nichts geht mehr. Das Ding hat zu. Zum Glück nimmt uns die Uhr diese Entscheidung ab, den wir wissen nicht, ob wir wirklich bereit gewesen wären, den horrenden Preis von £30 pro Nase zu zahlen. Okay, okay. Das Ding ist riesig, so scheint es wohl von außen. Und es war brechend voll, wenn man die Massen sieht, die herausströmen. Vielleicht ist es auch sein Geld wert. Wer weiß, wir werden es leider nie erfahren. Wir knipsen schnell die Anlage von außen und begeben uns ans Ufer, um den nun wirklich allerletzten Punkt zu bestaunen – die Tower Bridge. Wenn man sie so vor sich sieht, kommt sie einem so unwirklich bekannt vor. Eben weil man sie schon tausendmal auf Bildern oder in Filmen gesehen hat. Neben dem Big Ben ist sie das zweite Wahrzeichen der Metropole und in aller Wert kennt man ihre Silhouette.

Unsere Kopf-Aufnahme-Kapazität hat ihren Füllstand erreicht. Das war London-hardcore-pur an einem Tag. Wir sind alle ziemlich K.O. und beschließen, nur noch den einen Punkt heute abzuarbeiten, den Phinekind gern hätte. Sie las in einem Blog etwas davon, dass man im kostenlos erreichbaren Restaurant „Skygarden“ in einem Hochhaus an der Themse eine traumhafte Aussicht auf die Stadt hätte. Von oben haben wir London noch garnicht gesehen. Das versuchen wir. Wir laufen ein gutes Stück, biegen um die Ecke und sehen eine lange Schlange sehr vornehm angezogener Menschen. Ich denke noch so: „Oh, Hochzeit oder Geburtstag?“ Aber irgendwie schwante es mir schon. Wir laufen direkt drauf zu und werden von einer Dame im Flatterkleidchen, High Heels und Klemmbrett abgebremst. „Jaja, wir wollen da hoch“, versuchen wir ihr zu verstehen zu geben. Sie schaut uns etwas mitleidig/spöttisch an und erklärt uns, dass unser Klamottenaufzug definitiv nicht erwünscht ist. Mit eingezogenen Köpfen treten wir den Rückzug an. Das ist leider kein schönes Ende für unseren großen London-Rundtrip. Egal, wir lassen uns die Laune nicht verhageln und beschließen, den Abend mit einem kleinen Grillfest auf unserem Campingplatz zu beenden. Ein Lidl ist schnell gefunden, Würstchen, Steaks, Salat und ein wenig Baguette gekauft und schon sitzen wir zum letzten Mal im Doppeldeckerbus.

Auf dem Platz läuft uns dann zu guter Letzt die total anhängliche Campingplatz-Katze zu, bleibt bei uns sitzen, lässt sich kraulen und wir sind mit uns im Reinen. Ein toller Tag liegt hinter uns, megaviel Programm, viel gesehen, viel erlebt, so viele Eindrücke und nun noch ein leckeres Essen mit Katze. Gut, die Würstchen finden schnell den Weg in den Müllbeutel, ich weiß nicht was sich die Engländer dabei denken, aber die Steaks sind lecker. Wir schmieden den Plan für den nächsten Tag, der uns in den Thorpe Park führen wird. Vorher werden wir aber unsere Zelte abbauen und verstauen, denn nach dem Park werden wir direkt nach Santa Pod auf den Rennplatz weiterreisen. Eine weitere Übernachtung in London ist nicht nötig und dort werden wir sowieso schon sehnsüchtig erwartet. Aber erstmal – Achterbahnen, Wasserbahnen und Shows satt. Drückt fest die Daumen, dass das Wetter passt und es nicht so voll ist!

Nur beinahe gestorben!

Ziemlich verspätet melden wir uns. Verspätet weil ich einfach keine Zeit hatte zum bloggen. Eigentlich ist das ja gut, oder? Denn das bedeutet ja auch, dass es mega spannend ist.

Was soll ich sagen: BRÜGGE ist spannend. Und einzigartig. Und besonders. Ganz besonders.

Am Samstag sind wir in aller Frühe gestartet, nachdem wir am Abend vorher noch im strömenden Regen Tetris in unserem Kofferraum gespielt haben. Der große, schon fast bedrohlich wirkende Berg Taschen, der vorm Auto stand wollte verladen werden. Aber es ist alles mitgefahren. Sogar der kleine Grill, der auf der Liste „zur-Not-bleibts-hier“ stand, darf mit in den Urlaub.

Ohne Stau landen wir gegen mittag auf unserem Campingplatz Memling. Und was für ein toller Platz das ist. Der einzige, der in idealer Nähe zum Innenstadt von Brügge liegt. Wirklich schnuggelig, gemütlich und sauber.

Ein Bus fährt auch gleich um die Ecke ab. Geradezu perfekt. Wir richten uns für zwei Tage ein und cruisen in die Innenstadt. Der Bus spuckt uns am „t’ Tzand“ aus und wir landen mitten im Trubel. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mitten in einem Jahrmarkt sind wir hier gelandet. Ein verrücktes Fahrgeschäft nach dem anderen. Was auch immer das ist, wir haben daran kein Interesse und steuern auf den Marktplatz zu. Zwei drei Gassen weiter öffnet sich der Markt vor uns. Und das ist definitiv einer der größten, auf denen wir je gestanden haben. Ein riesiges Rund an Gebäuden – eine Fassade schöner und imposanter als die andere. Wir sind schwer beeindruckt.

Zur Einstimmung nehmen wir in einem der unzähligen Restaurants Platz und bestellen uns ein original belgisches Bier. Belgische Biere haben wir garnicht so auf dem Schirm, aber die sind verdammt gut. Und das, welches wir probieren, ist extrem lecker. Ein Brugse Zot – 6%, das haut rein. Wir ziehen noch eine Weile durch die Innenstadt, vielmehr durch die Einkaufsmeile von Brügge, nehmen uns im Supermarkt was zum Grillen mit und fahren zurück zum Campingplatz. Hier schaffen wir es gerade noch, uns was Warmes in den Bauch zu hauen, bevor wir alle todmüde auf die Matratzen verschwinden. Wohlgemerkt: es war noch HELL draußen. Aber der Tag hat uns alle Mann geschlaucht und morgen haben wir viel vor.

Morgen … ja, wir ziehen die Reißverschlüsse unseres Dachzelts auf und müssen die Augen zusammen kneifen. Die Sonne lacht uns in ihrer ganzen Pracht entgegen. Wir haben verdammt viel Glück – das Wetter hat richtig gute Laune. Yes! So macht das Aufstehen gleich viel mehr Spaß. Phinekind und Mr. M schälen sich auch aus ihrem Zelt und wir starten gemütlich in den Tag. Frühstück, Zeugs zusammen packen und los. Kurze Zeit später stehen wir erneut in der Innenstadt. Unser erstes Ziel war die St. Salvador-Kathedrale. Von außen schon sehr imposant, war sie drinnen ein Meisterwerk alter Baukunst. Es war Sonntagmorgen und die Geistlichen waren grad am „Arbeiten“. Wir schleichen uns still durch die Teile der Kirche, die wir betreten dürfen, im Flüsterton immer wieder bestätigend, wie toll das hier ist und machen ein paar Fotos.

Die Sonntagsmesse verlassen wir und treten wieder hinaus in die Sonne, unseren Streifzug durch die wirklich traumhaft schöne Innenstadt von Brügge fortsetzend. Eine wunderschöne Fassade an der nächstens, man weiß garnicht, was man noch alles als Foto mit nach Hause nehmen möchte. Es ist der Wahnsinn. So langsam beschleicht uns das Gefühl, dass der berühmte Ausspruch:

Brügge sehen und sterben

ein klein wenig stimmen könnte. Zum Sterben schön. Uralte Häuschen, tolle Fassaden, alles extrem gepflegt und erhalten. Die Kriege, die in anderen bekannten Großstädten schwer gewütet haben, haben um Brügge wohl einen großen Bogen gemacht.

Wir ziehen weiter durch die Stadt, vorbei an unzähligen Restaurants, Kneipen, Galerien, Geschäften und Schokoladenläden, immer dem Wasser folgend, schlendern über einen Antikmarkt, der seinen Namen wirklich verdient hat  und landen auf dem Vismarkt. Hier stellen Künstler ihre Werke aus. Von Töpfereien über Schmuck bis hin zu tollen Bildern kannst du hier alles kaufen, direkt vom Künstler selbst. Eine tolle Kulisse. Wir rasten im Pub ab der Ecke, probieren mal wieder eines der gefühlt tausend Sorten belgisches Bier und ziehen weiter. Ein paar grobe Ziele haben wir noch für heute. Im Vorfeld zu diesem Kurzurlaub haben Phinekind und ich in ein paar Büchern und Blogs gestöbert und uns da die Highlights herausgepickt. Wir wollen unbedingt in den Begijnhof und an den Rozenhoudkaai. Und die Brauerei „de halve Maan“ stand auch auf unserer Liste.

Zuerst aber setzen wir uns in eins der unzähligen Touriboote, die auf dem Wasserring um den Innenstadtkern von Brügge ihren Kreise ziehen. Quasi die Hop-on-Hop-off-Variante von Brügge. Eingequetscht mit vielen anderen Bootsfahrtwilligen lassen wir uns von einem mittelmäßig begeisterten Käpptn durch die Grachten schuckeln und lauschen seinen unverständlichen Worten, die er in sein Mikrofon knarzt. Egal. Die Häuser, Brücken und Gebäude am Ufer entschädigen für all die Widrigkeiten, die ein solches Tourispektakel mit sich bringt. Das Wetter ist uns noch immer hold und wir sehen richtig viel von der Stadt – von Wasser aus.

Das Boot entlässt uns wieder in die Innenstadt und wir ziehen weiter in Richtung Brauerei Halber Mond. Hier sind wir ein wenig enttäuscht, was aber auch daran liegen könnte, dass hier die Hölle los ist. Klar, geiles Wetter, viele Touris -> Sonntagshölle. Wir verlassen die Brauerei wieder, ohne Tour und steuern das nächste Ziel an. Das Kloster Begijnhof. Das wird noch bewirtschaftet von Nonnen, man betritt den Garten über eine kleine Brücke und einem wunderschönen Tor und steht drin. Im Hof. Hohe Bäume, eine umgemähte Wiese und viele Gebäude, die sich wie ein Ring um den Innenhof ziehen. Überall herrscht eine andächtige Stille und man stellt automatisch das Reden ein und schreitet andächtig durch die Bäume. Wir drehen eine kleine Runde durch die Kirche und verlassen das Kloster wieder. Leider bekamen wir nur eine der Nonnen zu Gesicht, wir waren wohl zum falschen Zeitpunkt hier.

Wir ziehen weiter und stolpern über ein Schild – Foltermuseum. Klingt spannend – da gehmer rein. Der Eintritt war sogar echt moderat und mit einer deutschen „Gebrauchsanweisung“ laufen wir durch die Katakomben und bestaunen mittelalterliches Foltergerät und kommen auf dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Schaurig interessant wars auf jeden Fall, aber Tageslicht tat danach auch wieder gut. Gut tat uns auch der Abstecher ins Bier-Mekka von Brügge. Ein von der Fassade her unscheinbares Gebäude entpuppte sich als fünfetagiges Eldorado für Bierkenner und -trinker. Einfach der helle, braune oder goldgelbe Wahnsinn. 5 Etagen mit zimmerhohen Regalen vollgestopft. Leider haben wir es versäumt, ein paar Bilder zu machen. Ich muss Phinekind nochmal fragen, ob die davon Beweisbilder gemacht haben. Die Jungs hatten die Qual der Wahl und entschieden sich am End für jeweils nur 2 Flaschen, die sie stolz wie zwei Oskare aus dem Laden schleppen. Mit einer Tüte belgischer Pommes auf der Hand verlassen wir wieder den Süden der City und machen uns so langsam auf zum zweiten aber heimlichen Highlight unseres Tages.

Im Recherchewahn habe ich die Empfehlung für ein Restaurant gefunden, welches man besucht haben „MUSS“ in Brügge. Das Ribs’n’Beer. Hier gibts Ribs all you can eat und lecker belgisches Bier zum Runterspülen. Ich habe ein paar Tage vor Abfahrt einfach mal eine Reservierung auf Verdacht gemacht, ohne das mit den anderen Mitreisenden abzusprechen. Als ich davon erzählte waren auch sie Feuer und Flamme. Dort angekommen entpuppt sich das Lokal tatsächlich als Szeneladen und wir sind froh, reserviert zu haben. Ohne? Kein Reinkommen. Wir sind leider zu früh und müssen tatsächlich nochmal abrücken – unser Tisch ist noch belegt. Wir laufen die Straße entlang und finden eine total süße Eckkneipe, das TAO, in welcher wir ausschließlich auf Flämisch empfangen werden, die Wirtin kann kein Deutsch oder Englisch. Und Französisch kann bei uns keiner. Mit Händen und Füßen bestellen wir bei ihr ein Überbrückungsbier und fühlen uns pudelwohl. Eine solche Herzlichkeit, so ein süßes Lokal. Ihr Mann bringt uns dann noch aus der Küche kleine Snacks. Wir haben schon fast ein schlechtes Gewissen, hier nach nem kleinen Schoppen wieder abzuziehen. Schon irgendwie gemein, die beiden gaben sich solche Mühe mit uns. Wir verabschieden uns und freuen uns wie die kleinen Kinder auf unsere Ribs, die uns ein paar Meter weiter erwarten.

Und was war das für ein Erlebnis. Die Dame in dem Blog, aus dem ich die Empfehlung hatte, hat nicht übertrieben. Wir vier waren uns alle einig: Das waren die besten Spareribs unseres Lebens. Und dieser Laden sucht seinesgleichen. Nicht nur im Angebot, sondern auch in seiner Architektur. Ein typischer brüggscher Bau, schmal mit einer großformatigen Fassade aber einem engen Haus hintenan. Eine schmale Treppe führt nach oben zu weiteren Gasträumen und den Toiletten. Brechendvoll aber zu keiner Zeit unangenehm. Das Personal höchstmotiviert. Von uns also eine KLARE EMPFEHLUNG. Leute —> Spareribs in Brügge nur im Ribs’n’Beer.

Den allerallerletzten Bus in Richtung Campingplatz nehmend, nicht ohne vorher noch ein paar schöne Dämmerungsaufnahmen vom Rozenhoudkaai gemacht zu haben, verlassen wir die wunderschöne Stadt Brügge und sagen: Goodbye and see you again.

Ein Tag reicht nicht ganz aus, um diese traumhafte Stadt kennen zu lernen. Und wir werden ganz bestimmt wiedermal die Anfahrt zum Santa Pod Raceway nutzen, um hier einen kleinen Stop einzulegen. Morgen ziehen wir weiter. Wir nehmen gegen 10 Uhr die Fähre nach England, legen einen Zwischenstopp im Castle of Dover ein und fahren dann weiter nach London.
Bis morgen also.

Thorpe? Brügge? häh was?

So, nachdem ich heute die Tickets für den Thorpe Park vorab gebucht habe, dachte ich mir, ich haue schon mal ein wenig in die Tasten. Laut unserem Ticker sinds nur noch 4 Tage bis zur Abfahrt nach Brügge.

Thorpe? Brügge? Hä?

Okay okay. Das Ding ist schon ne Weile in Planung. Wie so oft enspann sich unser Vorhaben aus einer Schnaps-Idee heraus. Wir erzählten Phinekind und Mr. Miserabel, dass wir, egal ob unser Team aktiv teilnimmt oder nicht, zum Auftakt-Rennen nach Santa Pod fahren werden. Die Liebe zum Dragracing ist mittlerweile so sehr in unsere Herzen gebrannt, dass wir nicht mehr ohne können. Die rennlosen Winter sind hart!

Die beiden Zuhörer waren sofort Feuer und Flamme: „Da fahrmer mit.“ Gesagt getan, die Idee nahm immer weiter Form an und wir stellten schnell fest, dass „nur Santa Pod“ langweilig wäre, obwohl das ja eigentlich schon aufregend genug ist. Ein klitzekleiner Kurzurlaub wird schnell drumherum gestrickt. AIKAs Geburtstag mit eingeschlossen.

So werden wir also am kommenden Samstag in aller Frühe starten. Nach Brügge. Mit dem Dachzelt und nem Iglu fürs Phinekind ihren Mr. M. Und dem alten Schaukelbenz. Und natürlich uns: JAN + AIKA.

Was ein Glück, können wir vier uns ganz gut leiden, denn eigentlich hatten JAN und ich beschlossen, nur noch allein in den Urlaub zu fahren, da wir unser ganz eigenes Tempo haben, welches sich nicht gut mit anderen Mitreisenden verträgt. Wir lieben und schätzen unsere Unabhängigkeit. Aber nunja, ein Kurzurlaub ist da echt etwas anderes und wird bestimmt klasse – auch zu viert!

Nachdem wir also Samstag in Brügge ankommen, werden wir in dieser schönen Stadt bis Montag früh bleiben, dann eine der ersten Fähren auf die Insel nehmen und nach London durchstarten. Hier haben wir knapp anderthalb Tage für Sightseeing und einen ganzen Tag für den Thorpe Park eingeplant. YEAH! ACHTERBAAAAHN! Wir freuen uns alle wie kleine Kinder – nunja – außer unser JAN. Wir versuchen aber diesmal seinem looping-nichtvertragenden Magen mit Reisetabletten veräppeln. Vielleicht hilfts? Wir werden berichten. Von London aus werden wir Donnerstag ganz früh weiter Richtung Norden zuckeln – nach Santa Pod. Hier wartet dann schon unser Team auf uns, die Dragster wollen noch vorm offiziellen Rennstart ausgiebigst getestet werden und man will sehen, ob die neue Technik ihre Arbeit tut.

 

Also – viel vor, viel Neues. Wir freuen uns auf ALLES. Und wenn ich an die Achterbahnen denke, hüpft mein Herz im Kreis. doingdoing

Bis Samstag. Wer mag – fährt wieder mit.