Nur beinahe gestorben!

Ziemlich verspätet melden wir uns. Verspätet weil ich einfach keine Zeit hatte zum bloggen. Eigentlich ist das ja gut, oder? Denn das bedeutet ja auch, dass es mega spannend ist.

Was soll ich sagen: BRÜGGE ist spannend. Und einzigartig. Und besonders. Ganz besonders.

Am Samstag sind wir in aller Frühe gestartet, nachdem wir am Abend vorher noch im strömenden Regen Tetris in unserem Kofferraum gespielt haben. Der große, schon fast bedrohlich wirkende Berg Taschen, der vorm Auto stand wollte verladen werden. Aber es ist alles mitgefahren. Sogar der kleine Grill, der auf der Liste „zur-Not-bleibts-hier“ stand, darf mit in den Urlaub.

Ohne Stau landen wir gegen mittag auf unserem Campingplatz Memling. Und was für ein toller Platz das ist. Der einzige, der in idealer Nähe zum Innenstadt von Brügge liegt. Wirklich schnuggelig, gemütlich und sauber.

Ein Bus fährt auch gleich um die Ecke ab. Geradezu perfekt. Wir richten uns für zwei Tage ein und cruisen in die Innenstadt. Der Bus spuckt uns am „t’ Tzand“ aus und wir landen mitten im Trubel. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mitten in einem Jahrmarkt sind wir hier gelandet. Ein verrücktes Fahrgeschäft nach dem anderen. Was auch immer das ist, wir haben daran kein Interesse und steuern auf den Marktplatz zu. Zwei drei Gassen weiter öffnet sich der Markt vor uns. Und das ist definitiv einer der größten, auf denen wir je gestanden haben. Ein riesiges Rund an Gebäuden – eine Fassade schöner und imposanter als die andere. Wir sind schwer beeindruckt.

Zur Einstimmung nehmen wir in einem der unzähligen Restaurants Platz und bestellen uns ein original belgisches Bier. Belgische Biere haben wir garnicht so auf dem Schirm, aber die sind verdammt gut. Und das, welches wir probieren, ist extrem lecker. Ein Brugse Zot – 6%, das haut rein. Wir ziehen noch eine Weile durch die Innenstadt, vielmehr durch die Einkaufsmeile von Brügge, nehmen uns im Supermarkt was zum Grillen mit und fahren zurück zum Campingplatz. Hier schaffen wir es gerade noch, uns was Warmes in den Bauch zu hauen, bevor wir alle todmüde auf die Matratzen verschwinden. Wohlgemerkt: es war noch HELL draußen. Aber der Tag hat uns alle Mann geschlaucht und morgen haben wir viel vor.

Morgen … ja, wir ziehen die Reißverschlüsse unseres Dachzelts auf und müssen die Augen zusammen kneifen. Die Sonne lacht uns in ihrer ganzen Pracht entgegen. Wir haben verdammt viel Glück – das Wetter hat richtig gute Laune. Yes! So macht das Aufstehen gleich viel mehr Spaß. Phinekind und Mr. M schälen sich auch aus ihrem Zelt und wir starten gemütlich in den Tag. Frühstück, Zeugs zusammen packen und los. Kurze Zeit später stehen wir erneut in der Innenstadt. Unser erstes Ziel war die St. Salvador-Kathedrale. Von außen schon sehr imposant, war sie drinnen ein Meisterwerk alter Baukunst. Es war Sonntagmorgen und die Geistlichen waren grad am „Arbeiten“. Wir schleichen uns still durch die Teile der Kirche, die wir betreten dürfen, im Flüsterton immer wieder bestätigend, wie toll das hier ist und machen ein paar Fotos.

Die Sonntagsmesse verlassen wir und treten wieder hinaus in die Sonne, unseren Streifzug durch die wirklich traumhaft schöne Innenstadt von Brügge fortsetzend. Eine wunderschöne Fassade an der nächstens, man weiß garnicht, was man noch alles als Foto mit nach Hause nehmen möchte. Es ist der Wahnsinn. So langsam beschleicht uns das Gefühl, dass der berühmte Ausspruch:

Brügge sehen und sterben

ein klein wenig stimmen könnte. Zum Sterben schön. Uralte Häuschen, tolle Fassaden, alles extrem gepflegt und erhalten. Die Kriege, die in anderen bekannten Großstädten schwer gewütet haben, haben um Brügge wohl einen großen Bogen gemacht.

Wir ziehen weiter durch die Stadt, vorbei an unzähligen Restaurants, Kneipen, Galerien, Geschäften und Schokoladenläden, immer dem Wasser folgend, schlendern über einen Antikmarkt, der seinen Namen wirklich verdient hat  und landen auf dem Vismarkt. Hier stellen Künstler ihre Werke aus. Von Töpfereien über Schmuck bis hin zu tollen Bildern kannst du hier alles kaufen, direkt vom Künstler selbst. Eine tolle Kulisse. Wir rasten im Pub ab der Ecke, probieren mal wieder eines der gefühlt tausend Sorten belgisches Bier und ziehen weiter. Ein paar grobe Ziele haben wir noch für heute. Im Vorfeld zu diesem Kurzurlaub haben Phinekind und ich in ein paar Büchern und Blogs gestöbert und uns da die Highlights herausgepickt. Wir wollen unbedingt in den Begijnhof und an den Rozenhoudkaai. Und die Brauerei „de halve Maan“ stand auch auf unserer Liste.

Zuerst aber setzen wir uns in eins der unzähligen Touriboote, die auf dem Wasserring um den Innenstadtkern von Brügge ihren Kreise ziehen. Quasi die Hop-on-Hop-off-Variante von Brügge. Eingequetscht mit vielen anderen Bootsfahrtwilligen lassen wir uns von einem mittelmäßig begeisterten Käpptn durch die Grachten schuckeln und lauschen seinen unverständlichen Worten, die er in sein Mikrofon knarzt. Egal. Die Häuser, Brücken und Gebäude am Ufer entschädigen für all die Widrigkeiten, die ein solches Tourispektakel mit sich bringt. Das Wetter ist uns noch immer hold und wir sehen richtig viel von der Stadt – von Wasser aus.

Das Boot entlässt uns wieder in die Innenstadt und wir ziehen weiter in Richtung Brauerei Halber Mond. Hier sind wir ein wenig enttäuscht, was aber auch daran liegen könnte, dass hier die Hölle los ist. Klar, geiles Wetter, viele Touris -> Sonntagshölle. Wir verlassen die Brauerei wieder, ohne Tour und steuern das nächste Ziel an. Das Kloster Begijnhof. Das wird noch bewirtschaftet von Nonnen, man betritt den Garten über eine kleine Brücke und einem wunderschönen Tor und steht drin. Im Hof. Hohe Bäume, eine umgemähte Wiese und viele Gebäude, die sich wie ein Ring um den Innenhof ziehen. Überall herrscht eine andächtige Stille und man stellt automatisch das Reden ein und schreitet andächtig durch die Bäume. Wir drehen eine kleine Runde durch die Kirche und verlassen das Kloster wieder. Leider bekamen wir nur eine der Nonnen zu Gesicht, wir waren wohl zum falschen Zeitpunkt hier.

Wir ziehen weiter und stolpern über ein Schild – Foltermuseum. Klingt spannend – da gehmer rein. Der Eintritt war sogar echt moderat und mit einer deutschen „Gebrauchsanweisung“ laufen wir durch die Katakomben und bestaunen mittelalterliches Foltergerät und kommen auf dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Schaurig interessant wars auf jeden Fall, aber Tageslicht tat danach auch wieder gut. Gut tat uns auch der Abstecher ins Bier-Mekka von Brügge. Ein von der Fassade her unscheinbares Gebäude entpuppte sich als fünfetagiges Eldorado für Bierkenner und -trinker. Einfach der helle, braune oder goldgelbe Wahnsinn. 5 Etagen mit zimmerhohen Regalen vollgestopft. Leider haben wir es versäumt, ein paar Bilder zu machen. Ich muss Phinekind nochmal fragen, ob die davon Beweisbilder gemacht haben. Die Jungs hatten die Qual der Wahl und entschieden sich am End für jeweils nur 2 Flaschen, die sie stolz wie zwei Oskare aus dem Laden schleppen. Mit einer Tüte belgischer Pommes auf der Hand verlassen wir wieder den Süden der City und machen uns so langsam auf zum zweiten aber heimlichen Highlight unseres Tages.

Im Recherchewahn habe ich die Empfehlung für ein Restaurant gefunden, welches man besucht haben „MUSS“ in Brügge. Das Ribs’n’Beer. Hier gibts Ribs all you can eat und lecker belgisches Bier zum Runterspülen. Ich habe ein paar Tage vor Abfahrt einfach mal eine Reservierung auf Verdacht gemacht, ohne das mit den anderen Mitreisenden abzusprechen. Als ich davon erzählte waren auch sie Feuer und Flamme. Dort angekommen entpuppt sich das Lokal tatsächlich als Szeneladen und wir sind froh, reserviert zu haben. Ohne? Kein Reinkommen. Wir sind leider zu früh und müssen tatsächlich nochmal abrücken – unser Tisch ist noch belegt. Wir laufen die Straße entlang und finden eine total süße Eckkneipe, das TAO, in welcher wir ausschließlich auf Flämisch empfangen werden, die Wirtin kann kein Deutsch oder Englisch. Und Französisch kann bei uns keiner. Mit Händen und Füßen bestellen wir bei ihr ein Überbrückungsbier und fühlen uns pudelwohl. Eine solche Herzlichkeit, so ein süßes Lokal. Ihr Mann bringt uns dann noch aus der Küche kleine Snacks. Wir haben schon fast ein schlechtes Gewissen, hier nach nem kleinen Schoppen wieder abzuziehen. Schon irgendwie gemein, die beiden gaben sich solche Mühe mit uns. Wir verabschieden uns und freuen uns wie die kleinen Kinder auf unsere Ribs, die uns ein paar Meter weiter erwarten.

Und was war das für ein Erlebnis. Die Dame in dem Blog, aus dem ich die Empfehlung hatte, hat nicht übertrieben. Wir vier waren uns alle einig: Das waren die besten Spareribs unseres Lebens. Und dieser Laden sucht seinesgleichen. Nicht nur im Angebot, sondern auch in seiner Architektur. Ein typischer brüggscher Bau, schmal mit einer großformatigen Fassade aber einem engen Haus hintenan. Eine schmale Treppe führt nach oben zu weiteren Gasträumen und den Toiletten. Brechendvoll aber zu keiner Zeit unangenehm. Das Personal höchstmotiviert. Von uns also eine KLARE EMPFEHLUNG. Leute —> Spareribs in Brügge nur im Ribs’n’Beer.

Den allerallerletzten Bus in Richtung Campingplatz nehmend, nicht ohne vorher noch ein paar schöne Dämmerungsaufnahmen vom Rozenhoudkaai gemacht zu haben, verlassen wir die wunderschöne Stadt Brügge und sagen: Goodbye and see you again.

Ein Tag reicht nicht ganz aus, um diese traumhafte Stadt kennen zu lernen. Und wir werden ganz bestimmt wiedermal die Anfahrt zum Santa Pod Raceway nutzen, um hier einen kleinen Stop einzulegen. Morgen ziehen wir weiter. Wir nehmen gegen 10 Uhr die Fähre nach England, legen einen Zwischenstopp im Castle of Dover ein und fahren dann weiter nach London.
Bis morgen also.

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