Kurztrips

Operation „Nachhaus’ ins Fass“

Teil 1: “Vom Baum in den Korb”

Wir sind ja der felsenfesten Überzeugung: Das Beste was ein Apfel werden kann ist … Apfelwein!

Schon zweimal, seit wir in unsrem schönen alten Fachwerkhaus wohnen, haben wir Äppler selbst gemacht, gelagert und mit Genuss verzehrt. Sogar mit durchschlagenden Erfolg. Nein nein, nicht das was man jetzt annehmen mag. Nein, JAN hat unser Stöffchen mit zur jährlich stattfindenden Apfelwein-Verkostung angemeldet und doch prompt den zweiten Platz damit gemacht. Von knapp dreißig getesteten Apfelweinsorten!! Also garnicht mal so schlecht für einen blutigen Anfänger. Da haben die alten Herren vom Ort aber geguckt.

Letztes Jahr durften wir durch mehrere glückliche Umstände die Herren vom „ÄSK“ aus dem Nachbardorf kennen lernen. Was genau hinter dieser Abkürzung steht, darf ich hier hier nicht verraten, nur so viel: Das „Ä“ steht für Äppler … An anderer Stelle nennen sie sich auch gerne mal die Äppelwoi-Geschworenen. Eine lockere Gemeinschaft aus total coolen Jungs, die sich alle paar Wochen recht ungezwungen zum Stammtisch zusammen finden, um im Partykeller dem hessischen Kultgetränk zu frönen. In diese Gruppe passte JAN wie die Faust aufs Auge und machte die Runde als neues Mitglied komplett. Einmal im Jahr wird angepackt. Denn selbstredend gibt es keinen gekauften Apfelwein beim ÄSK. Nixda, hier wird alles selbst gesammelt, sortiert, gehäckselt, gepresst und abgefüllt! Da ist richtig Handarbeit gefragt und alle (auch die Mädels!) packen mit an. Um ein paar Tage später höchst andächtig im Keller zu stehen und dem Most beim Gären zuzuhören … Aber halt, ich greife vor …

Vor zwei Wochen war es also endlich soweit. Die diesjährige Apfellese stand an. Perfekt vorbereitet trafen wir uns am Sonntag in aller hergottsfrühe im ÄSK-Hauptquartier. Die Traktoren standen schon knatternd vor der Tür und nach einem schnellen Kaffee mit Honigbrötchen hieß es auch schon: „Aufsitzen!”. Wir fuhren mit unsrem Schaukelbenz den Traktoren mit ihren großen Anhängern hinterher auf die Streuobstwiesen, welche unser heutiges Arbeitsumfeld werden sollten. Beschaulich war es dort oben auf der „hinnerschdn Wingerde“. Ruhe. Natur. Stille. Schön!

Auch hier war wieder alles bestens vorbereitet. Rund um die abzuerntenden Apfelbäume war gemäht, sonst wäre kein Durchkommen gewesen, da es die Tage zuvor gut geregnet hatte. Ich für meinen Teil bin das erste Mal bei einer Lese dabei und total fasziniert! Mit einem langen Haken bzw. Stange hakt man(n) sich oben im Geäst ein und zieht ruckartig an den Ästen und rüttelt am Baum. Nach diesem Kraftakt gibt dieser auf und lässt alles fallen. Achtung, Köpfe einziehen, es regnet Äpfel! Alle Äpfel. Leider eben auch die angefressenen, wurmstichigen, leicht angegammelten und auch komplett verfaulten Exemplare fallen zu Boden. Zusätzlich zu diesem bunten Potpourrie an Äpfeln spuckt der Baum auch jede Menge Laub aus. Dass heißt?! Genau: Sortieren: Die Guten dürfen ins Körbchen, der Rest bleibt liegen. Im Rücken gebückt oder auf Knien arbeiten wir uns um den Baum herum, um unsere Beute in Körben oder Säcken zu sammeln, die dann auf den großen Anhänger abgekippt wurden.

Zu Anfang gehen die frechen Sprüche noch hin und her, etwas später wirds ein wenig ruhiger. Aber trotz allem haben wir eins: jede Menge Spaß. So arbeiten wir uns von Baum zu Baum. Es gibt auch noch recht kleine Exemplare, die man bequem im Stehen leerpflücken kann. Der Rücken dankts! Dann sind wieder Bäume dazwischen, die fast garkeine Äpfel an Bord haben. Unser Federführer erklärt uns (mensch ist der aber auch belesen!), dass es sich dabei um die sogenannte Alternanz handelt. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, ist es bei Obstbäumen durchaus so, dass sie ein Jahr gut tragen und im nächsten Jahr eher weniger um im Jahr darauf wieder gut zu tragen. Sie alternieren. Aha!

Der erste Anhänger füllt sich stetig unter angestrengten Überlegungen, wie weit man im letzten Jahr um die Zeit schon gewesen wäre. Ganz nach dem Motto: „früher war mehr Lametta!“ ereifern sich die Äpplerbuben, wer es besser wüsst. Eine Einigung erzielen sie dabei nicht. Gegen Mittag kommt dann doch tatsächlich immer wieder mal die Sonne zu Besuch und wir lassen uns auf der Terrasse der Holzhütte zu einem zünftigen Vesper nieder. Bauernbrot & hausmacher Worscht. Mjamm. Die Arbeit macht auch verdammt hungrig. Jetzt stoßen sogar noch ein paar zusätzliche Erntehelfer dazu und wir machen uns gestärkt und verstärkt auf zum nächsten Grundstück. Hier warten nocheinmal gefühlt 100 Bäume darauf, ihre süße Last abzugeben.

Hier kommt jetzt auch wieder das Netz zum Einsatz. Es wird vor dem Schütteln unter dem Baum ausgelegt, die Äpfel damit eingefangen und so kann man sie schön auf einen Haufen zusammenziehen, so dass man vom Fleck weg sortieren kann. Eine tolle Erleichterung. Die Jungs überlegen schon, wie man sich diese Arbeit im nächsten Jahr noch mehr erleichtern könne. Es fällt immer wieder das Wort Laubbläser. 🙂

So geht es Korb um Korb weiter. Baum für Baum wird geerntet. Ein Ende ist so langsam in Sicht und wir sind alle ein wenig erleichtert, als es heißt: „Den da noch, dann haben wirs“. Die Füße tun weh, das Rückgrat ächzt und die Knie schwenken auch die weiße Fahne. Fertig! Der zweite Anhänger ist auch sehr gut gefüllt und uns alle überkommt ein großer Stolz. Mega Ausbeute, super Tag mit super Wetter und super Leuten. Wir sitzen noch ein wenig zusammen, grillen ein paar Würstchen & Steaks, und besprechen, wie es nächsten Samstag weiter geht. Denn dann wird gekeltert. Auch das ist für mich absolut neu und ich bin mega gespannt, was mich erwartet.

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