2019 | Edinburgh Tattoo und Speyside

70! – Rundreise Tag 3

Was für ein Mistwetter. Die Vorhersage hat gestern schon nichts Gutes für heute vermeldet. Und genauso kam es auch. Tiefhängende dunkle Wolken, pieseliger stetiger Regen, kalt. Egal, wir machten das Beste daraus. Zumindest versuchten wir das. Eigentlich war heute so viel Schönes auf dem Plan, aber genau den ändern wir mal kurzerhand ab. Am Ende hat sich das sogar als Glücksgriff erwiesen. Das hier war der eigentliche Plan für den heutigen Tag.

Als wir gestern den Wetterbericht scannten, stand schnell fest, das Programm, so wie geplant, kann nicht stattfinden – es muss ein Ersatzprogramm her. Wir stöberten in den Flyern, die im Cottage zur Information auslagen und fanden eine Liste mit «10 secret distillerys». Und siehe da – eine von denen ist grad um die Ecke. Nie vorher gehört. Knockdhu – home of acnoc.

Was haben wir zu verlieren außer Zeit? Also hat der gute JAN angerufen, eine Führung für 10 Uhr reserviert. Ohne Erwartung sind wir hingefahren, parken unseren Vauxhall im strömenden Regen – kein anderes Auto weit und breit – wo sind wir hier gelandet?

Wir betreten das Büro, werden freundlich von einem Mitarbeiter empfangen und stürmisch von zwei Hunden, die mal eben schnell Freundschaft schließen möchten. Wir mögen doch mal bitte noch eine Weile warten, unser Guide ist unterwegs. Und schon kurz später kam eine kleine Frau um die Ecke, die sich im Laufen eine Regenjacke anzug und uns zu verstehen gab, dass es losginge. ?? Alleine? Nur wir vier? Persönliche Führung?

Ich muss an dieser Stelle vorweg sagen, dass dies die mit gaaaaaaaanz viel Abstand bisher schönste aller Distillery-Führungen für uns uns wurde. Gerade wir, JAN & ich, haben unzählige Vergleiche und keine der bis dato gemachten Touren kommt nur annähernd an das heran, was uns bevor stand.

Lorraine – so hieß unsere Guide – empfing uns im Kiln Room, dort wo mit einem Torffeuer der rauchige Geschmack in die Gerste gebracht wird. Sie erzählte recht lebendig von der winzig kleinen Distillery, die wir hier besuchen. Dass wir eine persönliche Führung bekommen werden, haben wir spätestens jetzt gemerkt. Wir stellten uns gegenseitig vor und sie ermutigte uns, jederzeit Fragen zu stellen und viele Bilder zu machen. Sie ließ uns viel Zeit, das, was sie erzählt, ins Deutsche zu übersetzen. Wir fühlten uns sofort wohl mit ihr.

Als nächstes betraten wir die Produktionsräume und sie betonte immer wieder, dass wir bitte alles fotografieren dürfen und auch sollen. Sie versteht das Fotografierverbot in den großen Brennereien überhaupt nicht und machte sich sogar schmunzelnd ein klein wenig lustig darüber. Wir bekommen hier wirklich ganz genau den kompletten Ablauf gezeigt, mit all seinen Feinheiten und ich muss sagen, dass sogar JAN und ich noch vieles dazu gelernt haben. Einfach nur fantastisch. Ich kann es garnicht anders beschreiben. Und mein Fotoapparat glühte (sorry für die vielen Bilder).

Nächster Punkt ist das Warehouse der Distillery. Hier lagern viele Fässer edelstes Gesöff, richtig alt schon teilweise. Nach ungefähr zwei Stunden (!) endete dann hier auch die Führung durch die Knockdhu-Distillery, die ihren Whisky vor ein paar Jahren umbenennen musste, weil der Name der bekannteren Knockandu-Brennerei einfach zu ähnlich war. Nun heißt das Produkt „acnoc“, gesprochen „a’nokk“. Das ist wie so vieles hier gälisch und heißt „der Hügel“.

Und natürlich bekommen wir am Ende dieser besonderen Führung eine Verkostung. Und auch hier überrascht uns Lorraine noch einmal ganz gewaltig. Wir durften alles – wirklich ALLES – probieren. Sie hätte uns alles eingeschenkt, wenn wir darum gebeten hätten. Der arme JAN nippt nur kurz an der rauchigsten Version und nimmt den Rest in kleinen Probefläschchen mit. Da blieb unsere Guide hart, die als erstes fragte, wer der Fahrer von uns ist. Aber ich, Mama & Papa trinken uns fleißig durchs Angebot. Natürlich sind wir nicht unverschämt und belassen es bei vier Proben. Immerhin ists noch nicht mal Mittag 🙂 Drei wundervolle Flaschen kaufen wir direkt vor Ort. Der Vergleich mit online-Angeboten hält stand und wir müssen uns bremsen, denn wir sind ja mit dem Flieger da und müssen aufs Gewicht achten (*mist!) Unfassbar seelig und glücklich verlassen wir Lorraine, nicht ohne eine Abschiedsfoto mit ihr gemeinsam.

DAS!

WAR!

TOLL!


Leider regnet es noch immer in Strömen, als wir etwas betüdelt das Gebäude verlassen. Was machen wir nur?Egal, wir visieren im Navi unser nächstes Ziel für heute an und hoffen, dass bis dahin vielleicht besseres Wetter wird? Naja, ich kürze ab – wurde es nicht. Wir erreichen Brodie Castle im Regen, laufen im Regen vom Parkplatz, futtern in der wunderschönen viktorianischen Küche einen kleinen Imbiss, schauen dabei raus in den Regen, machen eine durchaus interessante aber wieder bilderlose Führung, um im regen wieder ans Auto zurück zu laufen.

Schade, das Schloss hätte mit Sicherheit mehr zu erzählen gehabt. Denn auch hier wird Geschichte gelebt. Ich hatte eigentlich geplant, dass wir nach der Besichtigung noch den schön angelegten Garten besuchen. Denn gerade der Papa ist ein großer Pflanzenfreund. Tja, das haben wir uns verkniffen.

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