Nebel stinkt!

Wir freuen uns, dass es weiterhin nicht regnet, auch wenn das Wetter ansonsten einfach nur grau ist. Aber trocken ist auch schonmal – ein großer Vorteil. Wir packen mal wieder alles zusammen, nutzen das tolle Sanitärgebäude für eine ausgiebige Dusche und machen uns auf die Socken in die Innenstadt von Aberdeen. Ich habe zur Besichtigung kaum etwas vorbereitet, wir wollen ‚eh die Zeit größtenteil nutzen, um ein wenig zu shoppen und uns treiben zu lassen. Ein bezahlbares Parkhaus ist schnell gefunden. Der Schaukelbenz wird abgestellt und wir machen uns zu Fuß auf, die City unsicher zu machen. Das Parkhaus gehört zu einer Mall, in der (fast) alles geschlossen ist. Logisch, ist ja auch Sonntag. Wir finden einen Costa-Shop, der köstlichen Kaffee anbietet und nutzen das freie WLAN, um live nach Schweden zum Viertelfinallauf zu schauen. Jaaaaa, beide Fahrer gewinnen ihre Läufe und sind somit im Halbfinale! Da schmeckt der Kaffee gleich nochmal so gut.

Und nochetwas lässt uns Jubeln. Sonntag? Gibts hier nicht! Alle Shops beginnen tatsächlich, ihre Türen zu öffnen und so stöbern wir durch die Läden. Aber ich habe einen bestimmten Laden im Sinn. Ich suche nach einem Superdry-Shop. Habe ich doch bisher in England immer super Erfahrungen mit den Preisen gemacht. Also, wenn diese Mall hier aufhat, dann bestimmt auch noch eine andere?! Google spuckt genaueres aus und ne halbe Stunde Fußmarsch später stehen wir vor einem anderen Geldvernichtetempel. Hier bekomme ich in einem Sportgeschäft erstmal ein paar wunderschöne neue Turnschuhe und muss im Superdry enttäuscht feststellen, dass sie keinen Sale haben und ansonsten die Preise denen in Deutschland gleichen. Also bleibt alles auf den Kleiderständern, aber eine Winterjacke lässt mich nicht los. Hundsgemein, wie sie da hängt und mich anlächelt. Miststück! Wir verlassen fluchtartig das Groschengrab… Nein quatsch, wir laufen gemütlich wieder in Richtung Innenstadt, denn uns knurren die Mägen.

Ich hatte einen heißen Tipp gelesen, wo man unbedingt in Aberdeen Essen sollte. Garnicht so sehr der Speisenqualität wegen, sondern eher wegen des Ambientes. Das Slairns Castle. Eine ehemals große Kirche wurde hier einfach umgebaut zu einem gruftig-horrorig angehauchtem Restaurant. Wir sind wohl sehr früh, denn es ist noch nicht wirklich viel los. Nach einem kleinen Rundgang durch das sehr ungewöhnliche Lokal finden wir ein lauschiges Plätzchen, ordern Getränke, was zu Futtern und den WLAN-Key. Das Halbfinale steht an. Und unsere gedrückten Daumen haben geholfen! Zack, beide fahren im Finale gegeneinander. YEAH!

Irgendwie scheint unsere Luft raus zu sein und wir entscheiden uns, weiter zufahren. Also bummeln wir zurück zum Auto, ohne wirklich Aberdeen gesehen zu haben. Verrückt … Als nächstes Ziel liegt das Dunnotar Castle direkt auf der Strecke. Hierauf freue ich mich schon so lange. Diese Burg ist eine der am häufigsten abgebildeten, zumindest erscheint mir das so. Wir verlassen Aberdeen in einem dicken fetten Nebel, der sich auch außerhalb nicht wirklich auflösen mag. Ärgerlich, denn auch abseits der Strecke gibts bestimmt viel zu sehen. Als wir kurz vor der Burg sind werd ich langsam nervös. Macht mir das Wetter erneut einen Strich durch eine festvorgenommene Besichtigung wie schon bei den Puffins? Das wäre echt fies und gemein. Nundenn, ihr könnts euch denken:

Natürlich sind wir ohne zur Burg gelaufen zu sein wieder weg gefahren. Dann sehe ich sie lieber garnicht, bevor ich sie nur im Nebel bestaunen kann. Verdammt! Wir fahren also direkt weiter nach Dundee. Hier liegen zwei Plätze direkt am Wasser nebeneinander und wir haben das erste Mal das Erlebnis, an einem Platz abgewiesen zu werden, weil wir „nur“ ein Zelt sind. Der vermeintlich schönere Platz wird bewacht von einem fast zahnlosen Wärter, der uns gleich wissen lässt, dass wir nicht geduldet werden. Der Besitzer wäre ein wenig „snobby“. Ahaha. Zu geil, wie er uns lückenhaft angrinste und uns mitteilt, das wir nicht gut genug sind. Nundenn, wir wenden und steuern den direkt daneben liegenden Platz an, wo wir natürlich einen Platz für die Nacht bekommen. Wir beschließen, eine fußläufig erreichbare Bar aufzusuchen und finden diese gestopft voll mit laut grölenden Gästen. Das ist hier eben einfach normal. Kneipe halt. Als der gute JAN unverrichteter Dinge von der Theke mit der Nachricht zurückkehrt, dass wir hier definitiv außer Käse und Kräcker kein Essen bekommen, ziehen wir weiter, in der Hoffnung, was zum Essen zu finden. Und wir erleben nach der Absage am Campingplatz die zweite Absage für heute. KEIN einziges Restaurant in Fußnähe, welches uns eine Kleinigkeit zu Futtern servieren möchte. Zwei haben wir gefunden, die haben aber grad Küchenschluss (19 UHR??). Also – ums es abzukürzen – gelandet sind wir am Ende beim Tikka Takeaway und durften mit zwei feurig-scharfen mexikanischen Mitnehmgerichten zurück an unser Autozelt dackeln. Hältste im Kopf nicht aus!

Eine kleine Anekdote gibts aber noch. Auf unserem Marsch durch den Küstenvorort von Dundee begegnete uns eine wunderschöne graue Katze, die sich erst kurz streicheln lässt, dann aber schnell vom Fußweg auf ein Grundstück die Flucht ergreift. Hier ist ein älterer Herr dabei, einen Vorgarten zu bearbeiten. Wir kommen wegen der Katze (ja, war seine) ins Gespräch und wie auch immer, aber die Rede kam auf ihn, dass er Zeit seines Lebens beim Militär war. Genauer auf See, irgendwas mit Torpedos. Wir haben bestimmt ne Dreiviertelstunde am Zaun gestanden und uns angeregt mit ihm unterhalten. Der gute Mann geriet regelrecht ins Schwärmen. JAN erwähnte, dass er auch gedient hat. Das hat dem alten Haudegen selbstverständlich bestens gefallen und er wollte uns garnicht mehr weglassen. Aber auch er bestätigte uns am Ende, als wir uns loseisten, dass es um die Uhrzeit (??) nirgendwo in Fußnähe was zu Essen gäbe.

Der Tag endet erneut mit Gintonic für mich. Fein fein. Wiederentdeckt. 🙂