Wo ist die Sonne hin?

Die letzten drei Tage unseres Urlaubs schreibe ich aus meinem Gedankenprotokoll. Die gemachten Bilder dieser Tage helfen mir da gottseidank dabei.

 

Wir haben eine ziemlich stürmische Nacht hinter uns an diesem tollen Küstenfleckchen. Und es zieht uns weiter, Aberdeen ist unsere nächste Etappe. Unsere neugewonnenen Bekannten versuchen uns zu überreden, doch noch ein Weilchen zu bleiben. Aber das würde alles durcheinander bringen., denn urlaubstagetechnisch befinden wir uns auf der Zielgeraden. In 3 Tagen werden wir die letzte Etappe anstreben – die Fährfahrt von Newcastle nach Amsterdam. Aber genau – in DREI Tagen erst!

Wir wählen also als Anfahrt nicht den direkten Weg durch das Landesinnere, sondern fahren schön die Bundesstraße an der Küste entlang. Unser Ziel ist das Peterhead Museum, ein Gefängnis, welches mittlerweile als Museum umgebaut ist und zur Besichtigung einlädt. Wir machen am Beach von Cullen einen Kaffeehalt, stellen fest, dass wir ziemlich verwöhnt vom Wetter der letzten Tage sind, dass uns das jetzt hier so gar keinen Spaß macht und verlassen den (im Sonnenschein bestimmt traumhaften) Strand wieder.

Unterwegs lockt noch eine andere Attraktion: Das Leuchtturm-Museum in Fraserburgh, welches direkt neben dem ersten Leuchtturm Schottlands steht. Durch das schiet-Wetter ist hier nicht viel los, wir kaufen uns zwei Tickets und machen uns auf, ganz alleine das Museum zu erkunden. Vorher bekommen wie noch gesagt, wenn wir 13 Uhr zurück sind, können wir eine kostenlose Führung auf den sonst nicht besichtbaren Turm mitnehmen. Na das klingt doch extrem interessant. Interessant ist übrigens auch das Museum. Ich hatte ja bis hierhin keine Ahnung, wie faszinierend das Innenleben eines solchen Leuchtturm ist. Also, natürlich ist die Rede von den ganz alten Modellen. Riesige Glasmonster sind hier aufgereiht, alles anschaulich verknüpft mit Geschichten aus alter Zeit und manch Schicksalen unglückseliger Kapitäne, die mit ihrer Crew trotz Leuchtfeuer den nassen Tod fanden. Wir schleichen total fasziniert durch die sehr große und empfehlenswerte Ausstellung, schießen unzählige Fotos, bevor wir uns pünktlich am Eingang einfinden, um uns der Tour anzuschließen. Nunja, was soll ich sagen, wir sind tatsächlich allein mit unserem Guide.

Er stellt sich vor als Michael und freut sich, dass er mit uns alleine losziehen darf. Für mich heißt das allerdings auch, dass ich mich mit meinem Englisch nicht verstecken kann und so voll in ein 3er-Gespräch verwickelt bin. Und er spricht zusätzlich noch ein für mich sehr schwer verständliches Schottisch – puhh – Anstrengung pur. Aber das was ich verstehe, ist höchst interessant. Er erzählt natürlich als erstes auf unserem Weg zum Turm über dessen Geschichte und Entstehung. Und wir erfahren, dass das, was wir sehen, der nachweislich erste Leuchtturm Schottlands war. Das großzügige Fundament ist tatsächlich eine Burg aus dem Mittelalter. Hier wurde von der großen Halle das Dach abgetragen, eine Stütze eingebracht und ein Leuchtfeuer-Turm aufgesetzt. Unterwegs kommen wir auch an einem Konstrukt vobei, welches sogar ich als Laie als Nebelhorn identifizieren kann. Bis zu 10 km weit ist es zu hören und könnte sogar heute noch zum Einsatz kommen. Er zeigt uns wirklich sehr ausführlich das weitläufige Gelände und wir dürfen natürlich auf den Turm klettern. Bis zur zweiten Etage ist das garkein Problem. Hier kommen wir in der Kammer des Hauptwärters an und erfahren, dass die kompletten Familien hier mit dem jeweiligen Wärter lebten. Alle waren in die aufwändigen Arbeiten mit eingebunden. Wir besichtigen Ölkannen und all die Maschinen, hören zu, wie Michael über die Veränderungen im Wandel der Technik erzählt. Wirklich sauinteressant. In der Hierarchie rangierte beispielweise auch die Frau des Chefs über den Frauen der anderen hier Arbeitenden. Interessante Episoden, wie zum Beispiel die bisher schnellste gemessene Windgeschwindigkeit, sind auf Tafeln dargestellt. Wir müssen ein Weilchen in der Kammer ausharren, weil sich noch eine andere Gruppe oben in der Kanzel befindet und die Treppe definitiv keinen Gegenverkehr verträgt. Dann steigen wir aber endlich die enge Hühnerleiter hoch und sind extrem überrascht, was wir hier vorfinden. Auf  kleinem engen Raum befindet sich das Museum. Hier bekommen wir noch einmal anschaulich die ganze Mechanik erklärt und können nur erahnen, welcher Knochenjob dahinter stand. Und dabei so unfassbar wichtig und lebensrettend!

Als Abschluss dürfen wir noch einmal auf den umlaufenden Balkon und die Aussicht genießen. Schade, dass uns weiterhin ein grauer Himmel empfängt aber einen schönen Blick hat man allemal. Michael erzählt uns, dass da weiter hinten ein Wrack liegt, welches im Jahr 2005 dort auf Grund gelaufen ist. Wir erkundigen uns, ob man nah dran kommt und er erklärt uns den Weg.

Nach über eine Stunde entlässt er uns zurück in die Echtzeit und unseren Urlaub. Wir machen uns auf den Weg, um das Wrack zu suchen, welches wir vom Balkon des Turmes aus schon gesehen haben. Und tatsächlich, wir nehmen instiktiv die richtige Ausfahrt, denn es ist nicht ausgeschildert, und fahren so weit es der Schaukelbenz zulässt heran. Wir sind zwar zur Ebbe hier, brechen unsere Versuch, direkt ans Schiff zu laufen, nach mehreren Metern ab. Das wird weiter draußen immer glitschiger und gefährlicher. Hier möchte ich nicht mit nem Bänderriss liegen bleiben, weil ich abgerutscht bin. Es handelt sich übrigens um die „Sovereign“, ein Fischerboot, welches im Dezember 2005 hier auf Grund lief. Die fünf Besatzungsmitglieder konnten allesamt gerettet werden und seit dem liegt dieser riesen Haufen Schrott hier rum.

Als ich danach recherchierte, landete ich auf einer interessanten Internetseite, welche über das wieder aufgeflammte Interesse an diesem Wrack berichtete. Da haben doch die Filmemacher vom Blockbuster „Life of Pi“ (übrigens megageil!) sich einfach der Optik auf der Seite liegenden Schiffes bedient und es zum Poster verarbeitet!

Von hier aus starten wir durch nach Peterhead, streichen das Gefängis-Museum von unserer Liste und fahren erstmal direkt in die Innenstadt. Wir schaufensterln ein wenig und kehren für einen kleinen Shoppen in einen der typischen Großstadt-Pubs, ins CrossKeys, ein. Hier ist GinTonic heute das Getränk des Tages. Und schon vom ersten Schluck an erinnere ich mich an meine Jugendtage, da war das auch mal total angesagt. Huiii. Lecker. Für das Geld trinke ich glatt noch einen zweiten. Und der gute JAN schickt mich alleine an die Theke. Irgendwann muss ich ja mal erwachsen werden, zumindest was das Bestellen auf Englisch betrifft. Auf der Weiterfahrt nach Aberdeen kommen wir an einem riesen Tesco vorbei, den ich wieder mit Freude stürme. Grillgut, Holzkohle, ne Pulle Gin und Tonic wandern in unseren Einkaufswagen.

Danach suchen wir den vorab rausgesuchten Campingplatz auf. Und ich habs geahnt, wir sind zu spät für einen regulären Check-in und müssen den Verwalter vom heimischen Sofa holen. Peinlich. Aber er behauptet, dass das die Regel ist. Und er findet sogar noch ein kleines schnuckliges Plätzchen für uns. Ein toller Platz, ein meganeues und hochmodernes Sanitärgebäude. Wow, ich bin überwältigt. Alles brandneu. Ich nutze die Chance und wasche einen großen Berg Wäsche. Praktisch, dann muss ich daheim nicht mehr ran.

Wir unterhalten uns auch hier wieder mit schottischen Wochenendausflüglern. Alastaire bleibt mir besonders in Erinnerung, denn er hatte die größten und dicksten Augenbrauen der Welt. Und noch ein Pärchen fiel uns auf, die verstohlen und völlig (un)auffällig eine Runde nach der anderen drehten, bevor sie sich ein Herz fassten und uns auf unser Dachzelt ansprachen. Auch hier wieder: „never see something like this before“. Wir unterhielten usn bestimmt ne Stunde lang, die Kohle auf dem Grill war schon fast wieder durch. Alle, die wir in unserem Urlaub auf diesem Weg kennen lernten, sind alle super entspannt und sehr nett gewesen. Thanks – you schottish People! <3

Hab ich eigentlich schon erzählt, dass es hier irgendwie nicht dunkel wird. Dieses Foto hier habe ich nachts halb 1 aufgenommen. Und da sitzen wir unter einem Zeltdach. Aber logisch, wir sind ja auch ein ganz schönes Stückchen weit oben auf der Erdkugel. Bald sind wir ja wieder in Finnland, da ist das noch heller um die Uhrzeit. Einen GinTonic später sind wir dann auch schon im Bettchen verschwunden. Gute Nacht.