Am Wasser ist es eben am Schönsten

Wir beginnen unseren Tag einsam auf diesem großen Platz, wie immer mit einer frisch gebrühten Tasse Kaffee. Die Anschaffung einer French Press bereuen wir nicht eine Sekunde. Löslicher Kaffee war defintiv keine Option mehr. Gru-Se-Lig!

Die Möwen haben unseren Müllsack heute nacht verschont, wir entern das Steinzeit-Sanitärgebäude und rüsten uns danach erneut zur Besichtigung einer Distillery. Diesmal ist unser Ziel wieder eine aus unserem FoCM: Dalwhinnie. Wir verlassen den „urigen“ Campingplatz, biegen auf die Autobahn ab und – es REGNET. Unfassbar, es regnet. Das erste mal in diesem Urlaub, dass es so richtig nass von oben herab kommt. Sofort fällt das Wetter aufs Gemüt, zum Glück haben wir ja jetzt eine Indoor-Unternehmung vor uns.

Wir kommen auf dem Parkplatz an, raffen schnell alles zusammen und huschen durch die dicken Tropfen ins Innere des Gebäudes. Es empfängt uns ein wunderschön hergerichteter Shopbereich, viel los für die frühe Stunde. Wir melden uns zur Tour an und kurz darauf gehts auch schon los.

Natürlich dürfen wir auch hier wieder keine Fotos machen. Schade, denn diese war auch wieder sehr schön. Ein sehr interessanter Fakt zu Dalwhinnie: sie ist die höchstgelegenste und kälteste Distillery Schottlands. Keine Schummelei, die Wetterstation ist tatsächlich direkt daneben. Hier sehen wir auch das erste Mal, dass die Abkühlbehälter der Stills außerhalb der Brennerei sind. Sie nutzen die Außentemperaturen gleich mit. Clever!

Wer glaubt, dass Regen oder Kälte die Midges verscheucht, hat sich in diesem Fall gehörig geschnitten. Wir werden fast aufgefressen. Also gleich wieder rein ins Auto und das nächste Ziel für heute angesteuert.

Eigentlich hatten wir für heute eine Fahrt mit der Mountain Railway geplant. Die Standseilbahn im Cairn Gorm Nationalpark ist einzigartig in Schottland und ich hatte mich schon seit der Planung für diesen Urlaub darauf gefreut und auch den JAN mit Bildern im Vorfeld angesteckt. Als ich gestern abend auf dem Campingplatz nochmal die Öffnugnszeiten und Preise checken wollte, blinkt mir da doch plötzlich ein Banner entgegen, dass die Bahn vom 5.6. bis 8.7. wegen Wartungsarbeiten NICHT fährt. Och mann ey, das ist unfassbar schade und ich kann meine Enttäuschung kaum bändigen.

So muss ein Ersatzprogramm bei. Wir beschließen, einfach auf Sicht zufahren und steuern die Knockando Wool Mill an. Die Sonne ist mittlerweile wieder mit uns und wir können ganz in Ruhe dieses lebendige Museum erkunden.

Ja, irgendwie hat uns die geplatzte Seilbahnfahrt den Tag ein wenig durcheinander geworfen. Wir finden hier irgendwie keinen „Halt“ und beschließen, an die Küste hoch zu fahren  und uns dort ein Nachtlager zu suchen. Weit ist es nicht, nur noch anderthalb Stunden mit dem Auto. Ich zoome mich schnell in die Map und checke aus, welche Campingplätze in Frage kommen. Hier oben, an der Küste rund um Lossiemouth. Dieses Städtchen haben wir vor zwei Jahren schon besucht und es hat uns wunderbar gefallen. Hier bleiben wir aber nicht sondern fahren weiter ostwärts. Wir kommen an einigen Plätzen vorbei, aber das gefällt uns alles nicht. Wir würden unheimlich gern am Wasser stehen. Unser Weg führt uns durch Findochty, ein kleines verträumtes Nest und fast wären wir am Weghinweiser vorbeigetrullert. Aber im Augenwinkel grad noch erwischt, drehen wir den Schaukelbenz und fahren von der Klippe hinunter in das Dörfchen. Es öffnet sich ein süßer kleiner Hafen, auf dem viele kleine Schiffe schaukeln und die Sonne gibt grad alles. Boah, das ist ja wunderschön hier. Die Einfahrt zum Campingplatz wird grad von einem LKW versperrt, welcher den anliegenden Pub mit frischen Getränken versorgt. Wir beschließen zu parken und erstmal ein Kaltgetränk in besagtem Etablissement zu genießen. Vielleicht gibt ja sogar WLAN, so dass wir unsere Crew, die gerade in Schweden um wichtige Europameisterschaftspunkte kämpft, live verfolgen können. Beides bekommen wir. Der Laden ist brechend voll, unzählige laute Schotten frönen hier einem Gläschen und der obligatorische TV oben links in der Ecke gibt auch alles.

Als wir unser Bier an der Theke ordern fragt JAN die Bedienung nach dem Campingplatz direkt hinterm Pub. Sie bejaht und verweist uns direkt an den Besitzer, der rotnäsig auch an der Theke sitzt. Na dann … 🙂 Wir werden uns schnell einig, JAN geht schnell mit ihm mit, um sich eine Parzelle zuweisen zu lassen und als er zurück ist können wir auch endlich mit dem Auto passieren. Was für ein Kleinod dieser Platz. Sensationell am steinigen Strand klebend reihen sich hier nur ein paar Wohnmobile auf dem schmalen Rasenstreifen und in zweiter Reihe feste Campinghäuser. Direkt in dritter Reihe türmt sich eine 30 Meter hohe Steilküste auf auf der hoch oben ein Monument thront. Wir sind happy. Genau das haben wir gesucht. Und was wir schnell mitbekommen – hier sind ausschließlich schottische Dauercamper. Und die sind natürlich neugierig. Angenehm neugierig. Wir kommen sofort ins Gespräch mit unseren Nachbarn für eine Nacht. Alle scheinen sich zu freuen, dass mal „frisches“ Blut hier her kommt. Wir führen viele nette Gespräche. Und irgendwie hat auch jeder sein Haustier dabei. Jeder scheint mindestens mal einen Hund dabei zu haben. Was uns aber besonders freut ist der schwarze Kater Murphy direkt nebenan, da kommt ein wenig Sehnsucht nach unseren daheimgelassenenen Tigern auf.

Wir schlagen schnell unser Lager auf und beschließen, weil es uns so gut gefällt, heute abend mal nicht zu grillen, sondern essen zu gehen. Das „Admirals Inn“, in dem wir vorhin schon was trinken durften, hat auch  leckere Speisen auf seiner Karte. Wir nehmen Platz, mit einer wundervollen Sicht auf die Findochtyer Bucht und genießen ein fantastisches Abendessen in netter Gesellschaft. Rundum glücklich!

Am Zelt zurück bauen wir uns einen kleinen Schutz gegen den Wind, der jetzt leider vom Meer draußen sehr heftig bläst und definitiv zu kalt ist, um sich einfach nur so hinzusetzen. Unser „Vorzelt“ lässt sich flexibel aufstellen und kurze Zeit später sitzen wir eng aneinander gedrängt in unserer selbstgebauten Höhle. Der gestern havarierte Laptop hat nun seinen ganz großen Auftritt. Wird er sich wieder einschalten lassen? Der Akku ist laut Anzeige voll aufgeladen und ich wage einen Klick auf dem Power-Knopf. Jaaaaaa. Er lebt. Er fährt hoch, nichts ist verloren gegangen und ich kann endlich wieder bloggen. Ich freue mich wie ein Keks. Gott. Sei. Dank!

Ich nutze das natürlich sofort aus und lade alles hoch, was schon vorbereitet auf der Festplatte rumgedümpelt hat, JAN hilft derweil einer kleinen Familie, die grad frisch angereist ist und ihren Wohnwagen direkt neben uns einparkt. Einzwei Glas Wein später fallen wir auch schon wieder in die Matratze hoch über dem Auto und hoffe, dass das Wetter morgen nicht so schlecht wird, wie vorhergesagt.

Gute Nacht.