007

Wir erwachen mal wieder mit Sonnenschein im Zelt, krabbeln aus unserem rollenden Hotel und starten langsam in den Tag. Um uns herum wird hektisch geräumt, gepackt und ausgeparkt. Die Herrschaften haben es wohl alle eilig. Wir stehen etwas ungläubig daneben. Aber egal, jeder nach seiner Fasson. Wir stecken erstmal alle Energie in eine schöne frisch gebrühte Tasse Kaffee. Yes.

Auf unserem Stundenplan für heute steht irgendwie nicht wirklich viel – nur ein einziges Zwischenziel haben wir für heute. Wir fahren durch das wunderschöne Glencoe ins Glen Etive und suchen den Platz aus, an dem vor mehreren Jahren James Bond himself stand und theatralisch in die Weite schaute, sein imaginäres Elternhaus vor Augen. Geweihter Boden, klar, da müssen wir hin. Geweiht vom Herrn Craig, der beste 007 überhaupt, unserer Meinung nach.

Die Sonne ist auf unserer Seite und wir überlegen kurz, auch einen Abstecher ins Tal zu machen. Aber alle Parkplätze sind zum Bersten voll, jeder Tourist nutzt heute dieses außergewöhnliche  Wetter. Ich häckle die Koordinaten ins Navi, die uns exakt zu diesem Punkt führen soll und schon kurze Zeit später biegen wir rechts ab.

Gleich am Anfang der einspurigen Straße überquert man eine Brücke, wo ein einsames Auto geparkt war. Ich gucke beim Überfahren nach unten und sehe, dass die da baden! Im Fluss! Im bestimmt eiskalten Wasser! NACKT! Himmel, ich hab den Mond aufgehen sehen. Achherjeee. Leute, echt jetzt? Aber gut und ich denke zum zweiten mal heute: jeder nach seiner Fasson.

Wir lassen die Nacktpudel hinter uns und schlängeln uns durch das Glen Etive. Die Sonne steht mittlerweile mittäglich genau über uns und es ist echt warm. So kann es gerne bleiben! Das ist toll! Auf dieser Strecke hier ist nicht viel los, die meisten sind vorn an der Hauptstraße bei  den Main Attractions.

10 Minuten später sehen wir vor uns auch schon den Fleck Erde, an den es uns zieht. Da ist der Fluss zur linken Seite, an einer Ausweichstelle liegt ein großer dicker Stein – hier ist besagte Stelle! Wir parken das Auto genauso, wie auch das Bondmobil damals stand und steigen aus. Hm, nichts. Garnichts. Stille. Absolute Ruhe bis auf das Rauschen des Flusses. Nicht erinnert daran, warum sollte es auch. Die Schotten sind ja nicht die Thais, die ihren Bond-Place gnadenlos ausschlachten. Wir schießen ein paar Fotos, selfien uns und fahren noch etwas weiter ins Tal hinein, um den Schaukelbenz zu wenden, ohne den Tank erneut zu lochen.

Das Glen Etive ist wirklich wunderschön. Ach, was sage ich, die Gegend hier ist generell unfassbar schön. Diese grünen Berge, teilweise schneebedeckte Hügel. Wahnsinn. Wir können uns kaum sattsehen. Schottland ist hier so grün. Anders als draußen auf den Inseln vor der nassen Haustür. Da ist alles etwas rauer, uriger, ungemütlicher. Hier ist, zumindest wenn die Sonne scheint, alles so postkartig schön. Wir stellen wieder mal fest, welch großes Glück wir doch mit dem Wetter bisher hatten. Die nächsten Tage sind leider nicht mehr so schön vorher gesagt und wie genießen jede Sekunde in der sommerwarmen Sonne.

Auf dem weiteren Weg nach Blair Athol, wo wir die Distillery im Visier haben, kommen wir in Killin an einem kleinen Wasserfall mit einer Mühle vorbei, machen halt und nehmen die Möglichkeit der kostenlosen Besichtigung wahr. Vom alten Gebäude selbst ist nur noch das große restaurierte Rad vorhanden, welches als Museumsstück dekorativ seine Runden dreht. In der Mühle ist ein zweietagiger Flohmarkt. Wir stöbern uns ein wenig durch alte Bilder und Rahmen, lassen aber alles an seinem Platz und verlassen den schönen Ort. Grad um die Ecke ist ein Souvenirladen. Eigentlich meiden wir diese Etablissements wie der Teufel das Weihwasser, aber hier lachen uns Postkarten vor der Tür an. Der Zweitgeborene hat sich eine (o-Ton:) „besonders schöne“ Karte gewünscht, die er sich daheim an die Pinnwand heften kann. Machen wir doch gerne. Ganze zehn Karten wandern in unsere Tasche, für die stamps verweist und die Ladenbesitzerin die Straße hinunter in die Post des kleinen Örtchens. Die gibts dort tatsächlich – für 1,20£ das Stück *autsch! und noch ein leckeres Pfefferminzeis.

Kurze Zeit später stehen wir in der Distillery Blair Athol und hier ist die Hölle los. Aber wir werden hier die skurrilte Führung haben, die wir bisher erleben durften. Auch ohne Bilder (ist mal wieder verboten)  haben wir diese Besichtigung in guter Erinnerung. Man stopft uns, obwohl die Tour schon begonnen hat, noch flink in eine Gruppe und die gute … (zum ersten Mal habe ich den Namen vergessen *untröstlich) schweizstämmige Mitarbeiterin gibt sich echt alle Mühe. Wir sind noch ziemlich am Anfang der Runde, sie hat grade die Geschichte der Brennerei erzählt und warum der Otter deren Wappentier ist und wir stehen vor den Mash Tuns, als es einen lauten Schlag gibt und das Licht aus ist und alle Geräte plötzlich still stehen. Boom – alles dunkel. Hier sind zum Glück ein paar Fenster, so dass wir nicht im komplett Dusteren stehen müssen. Eine gespenstige Stille. Unsere Guide ist irritiert, versucht aber, halbwegs routiniert ihre Tour fort zu setzen. Sie macht noch ein Witzchen, dass ja kein Feueralarm wäre, also wären wir „not in danger“. Etwas verunsichert schielt sie immer an ihr Telefon und als es klingelt ist sie in einer Milisekunde dran. Entwarnung – kein Alarm, aber auch kein Strom. Ganz simpel und einfach. Auf einer Baustelle neben der Distilery gabs wohl einen Zwischenfall und niemand weiß, was passiert ist. Sie teilt uns traurig mit, dass sie jetzt zwar versucht, die Tour irgendwie improvisierend zu beenden, aber uns nicht in den „still room“ lassen darf. Keine Beleuchtung – keine Sicherheit. Auch dort ist die Produktion schlagartig beendet. Sich tausendmal entschuldigend verspricht sie uns als Entschädigung ein zusätzliches dram am Ende und wir ziehen traurig nach einiger Wartezeit am still house vorbei, nur einen Blick durch das Fenster erhaschend.

Noch im Treppenhaus schaltet sich plötzlich mit einem leisen Klick das Licht von Notbeleuchtung auf Flutlicht und wir freuen uns alle lautstark. Also die ganze Bande wieder retour und rein ins still house, für uns immer noch der schönste Bereich einer Distillery. Wir haben mittlerweile so viel gescherzt und gelacht in dieser Runde und unsere Führerin verspricht, dass es das zweite dram trotzdem noch gibt, weil wir so nachsichtig waren. Nach einer halben Stunde stehen wir dann auch schon im Store, ein Gläschen in der Hand und dürfen wieder einen Whisky mehr kennen lernen. Danke Blair Athol und demnächst immer ein Notstromaggregat im Keller!

Den Tag beenden wir an einer der ungewöhnlichsten Campingplätze. An der Einfahrt steht ein Schild, dass uns zum Bezahlen an ein Haus ein paar Meter weiter verweist. Hier werden wir von einer älteren Dame im Vorgarten begrüßt, die uns aber weiter im Unkraut hackend an die Klingel am Haus schickt. Auf unser Klingeln steckt eine noch ältere Dame ihren Kopf aus der Tür und als wir ihr erzählen, dass wir ein Rasenquartier bräuchten, war sie ganz draußen und ganz Ohr. Redseelig freut sie sich über Kundschaft und beginnt ganz aufgeregt zu plaudern. Wir schätzen sie mal auf bestimmt so um die 80. Ja – also auch der Campingplatz war es auch … Zumindest war das Toilettenhäusi etwas antiquiert. Nichts kaputt oder dreckig, nein nein, einfach nur alles wie aus einer Zeitkapsel. Inklusive lila Duschvorhängen mit Vollants und einer Waschmaschine, die schon Queen Victoria benutzt haben könnte. Zum Glück hat der Duschautomat Pfund geschluckt. Mit Guinee hätten wir nicht dienen können. Egal, wir hatten mal wieder was zu Schmunzeln. Obwohl hier ein Wohnwagen neben dem anderen Stand, waren wir mutterseelenallein auf diesem Platz. Alles Wochenend-Camper, vermuten wir mal.

Wir grillen uns mal wieder eine Kleinigkeit, schauen den Möwen zu, wie sie unseren Müllsack unter die Lupe nehmen, ich tippsle ein wenig in den Blog und auf einmal – mitten im Bilder bearbeiten – Display aus. Ich muss total entsetzt geguckt haben, auch JAN erkennt sofort den Ernst der Lage. Hat der gute alte Mac jetzt echt seinen Geist aufgegeben? Sofort google ich mit dem Handy diverse Szenarien anhand der Blinksymbole. Die Essenz meiner Recherche: Morgen an einem ordentlichen Stromlieferanten (und nicht nur die Batterie des Autos) einmal komplett aufladen – zwischendurch NICHT einschalten.

Echt blöd, mit dem Wissen ins Bett zu gehen, dass der gute alte Apple hinüber sein könnte. Aber warten wirs einfach mal ab.
Gute Nacht!