Guckma, ein ganz großer Fisch!

Heute weckt uns wieder wie gestern ein grauer Himmel. Wie es scheint, ist das schöne Wetter nun auch auf Islay vorbei. Wir haben von den Einheimischen aber auch schon mehrfach bestätigt bekommen, dass das Sonnenbrandwetter durchaus untypisch für die Zeit hier war. Ich denke, nun sind wieder wieder auf „normal“. 🙂

Egal, ein grauer Himmel hält uns nicht davon ab, die Insel weiter zu erkunden. Es ist auch unser letzter Tag auf Islay, den wollen wir noch einmal voll auskosten.

Aber als wir auf den Parkplatz zu Bowmore einbiegen, wo unsere letzte Führung für diesmal sein wird, ist der Himmel schon wieder in ein tolles blau gewandet. Wir haben die „Unlock hidden depths“ gebucht und sind neugierig, was uns erwartet. Kurz bevor es losgeht, entert leider noch eine große Gruppe Schweizer das Office – man ahnt es, sie sind in unserer Gruppe. Leider spricht nur deren Führer englisch und er übersetzt permanent für seine Leute. Das bringt Unruhe rein und Katrina tut mir echt leid, wie sie da versucht, gegen das ständige Gebrabbel anzureden. Die Führung selbst ist tatsächlich mal etwas anderes, wir dürfen überall hin, alles anfassen, überall fotografieren und am Ende gibt es drei Darms zu verkosten. Einer ist schon ins Glas eingegossen, welches auch inklusive ist, die anderen beiden können wir einstecken. Danke Bowmore – das ist mitgedacht! (tut mir leid, viel zu viele Bilder, ich weiß … )

Von hier aus lenken wir den Schaukelbenz über die extrem achterbahnverdächtige Nord-Süd-Tangente in den Süden, hier lockt der Carraig Fhada, ein zweitürmiges Leuchthaus, welches schon immer von weitem zu sehen ist, wenn man mit der Fähre ankommt. Wir parken unser rollende Campingmobil (was tun wir dem Benz nur an?) auf einer hügeligen Wiese, laufen zum Strand hinunter und steuern auf den schon weit hinten sichtbaren Leuchtturm zu. Immer wieder sehen wir auf der Insel wild stehende Wohnmobile, Camper usw. Wenn wir das nächste Mal hier sind, werden wir das auch so machen. Wir haben nämlich festgestellt, dass man jederzeit auf einem Campingplatz nur zum Duschen vorbei schauen kann. Und das war bisher immer mein Argument, es lieber doch komfortabler zu wählen.

Wir haben einen wundervolle Sicht auf die Bucht vor Port Ellen und werden Zeuge eines tollen Naturschauspiels. Der morgendliche Nebel steht noch, aber löst sich langsam auf, man kann dabei zuschauen. Wir setzen uns eine Weile auf eine Bank, und beobachten, wie immer mehr die Berge und Häuser auf der anderen Seite zum Vorschein kommen. Sogar ein Segelschiff löst sich aus dem Nebel. Wirklich toll anzuschauen. Die Sonne brennt dann doch wieder auf uns herab und wir ziehen weiter zum Leuchtturm. Hier sind wir die einzigen Besucher und umrunden das gute Stück. Nicht befestigt, eine grade mal ein paar Zentimeter breiter Weg führt rundherum. Ganz einerlei ist mir das nicht. Es geht gleich danach hinab in die Felsen, auf die der Turm gebaut ist. Wurscht, nun sind wir hier und da wird auch geguckt! So, basta. 🙂 Leider kann man nicht hinein, alles ist verschlossen. Nach einem kurzen Snack ziehen wir auch schon wieder weiter. Zu den „Singing Sands“, wie sie heißen, weil der Sand solche Geräusche machen soll, wenn man darüber läuft.

Der Hinweg ist super ausgeschildert, wir haben keinerlei Probleme, uns zurecht zu finden. Am Strand halten wir uns eine kleine Weile auf, genießen erneut die Felsformationen, die hier stehen, stellen fest, dass das Wasser hier auch schei**ekalt ist und entscheiden uns, die große Runde zurück ans Auto zu nehmen. Wir laufen wie beschrieben in den Hügel, finden aber irgendwie den Einstieg nicht. Verdammt, wo gehts hier lang? Wir haben nur eine grobe Richtung vor Augen, finden aber keinen Weg. Oder wenigstens einen Pfad? Nix! Wir stolpern also über Wiesen, patschen immer wieder in morastiges Gestrüpp, und entscheiden uns, den weiter hinten zu sehenden Weidezaun anzusteuern. Da sind meistens Wege. Bis dahin wars aber ein steiler Aufstieg, die Lunge keucht, die Oberschenkel brennen. Ohmann. JAN hält die Laune aufrecht, als er auf die wunderbare Aussicht hinweist, die wir ja nun wenigstens von hier oben hätten … 🙂 Danke! Aber ein Gutes hat das Ganze tatsächlich. Ab jetzt gehts nur noch abwärts.

Auf dem Weg nach unten sehen wir auch den Weg, den wir hätten gehen sollen. Keine Ahnung, was wir falsch gemacht haben, spielt ja nun auch keine Rolle mehr. We do it the trabert style. Die Herde Ziegen, die es sich auf der Straße bequem gemacht hat, war auch ganz überrascht, dass jemand von da oben zu Fuß runter kommt. Jedenfalls haben sie uns so angeschaut.

Kurz vor unserem Parkplatz kommen wir an einem abgezäunten Gelände vorbei und schon vorher sehen wir kleine Häschen rumhoppeln. Und der Hügel entpuppt sich als riesengroßer Hasenbau. Unfassbar viele Hasenlöcher sehen wir. Und auch dementsprechend viele Langohren. Ich kann mich gar nicht satt sehen an den süßen Fellknäueln. Wurden hier die Teletubbies gedreht?

Zurück am Auto schnaufen wir beide erstmal durch. Unsere Oberschenkel sind der Meinung, dass das genug Rumgesteige für heute war, aber das was jetzt kommt, ist wohl auch ein Highlight und ein „must see“. Die Klippen von Oa.

Wir folgen der Beschilderung und fahren bestimmt ca zehn Kilometer die schlechteste Straße, die es auf ganz Islay gibt, bevor wir endlich am Parkplatz ankommen. Hier stehen grademal vier Autos, also ist auch nicht so viel los. Wir entscheiden uns dann doch für den großen Rundweg, wenn wir schonmal hier sind und freuen uns, auf das, was jetzt kommen mag. Die Mull of Oa (gesprochen „oh“) erreicht man, indem man die Weiden von Schafen und Highland Coos kreuzt. Die Schafe sind scheu und hauen meckernd und blökend ab, sobald man in ihren Nähe kommt. Die Lämmchen rennen ihren Mama sofort unter die Bäuche und verstecken sich. Aber die Kühe, die bleiben stehen und sind gern Fotomotiv für mich. Als ob sich so manch eine von ihnen sogar noch in Pose schmeißt. Weiber … 🙂 Ich kann mich kaum losreißen, aber wir müssen weiter.

Der Himmel schaut nach Regen aus und wir wollen trocken ans Auto zurück. Kurze Zeit später öffnet sich auch schon die Aussicht auf die ca. 100m hohen Klippenfelsen. Traumhaft schön anzusehen und ich ertappe mich dabei, wie ich denke, ja – das ist das Schottland, was man eigentlich erwartet. Raue See, hohe schroffe Felsen, dunkler regnerischer Himmel. Und genau das haben wir auch grade. Trotzdem, nein natürlich genießen wir den Blick, die Natur ist ein Künstler. Etwas rechts von uns geht der Rundweg weiter zum Mahnmal von Oa. Wir nehmen die zusätzlichen 2 Kilometer auf uns, da wir auch an solchen Dingen sehr interessiert sind. Dazu hat das Monument auch noch einen militärischen Hintergrund, was das Herz von JAN höher schlagen lässt, wie alles Militärische. Hier an dieser Stelle wurden im 1. Weltkrieg zwei Schiffe versenkt. Und viele Menschen fanden leider hier den nassen Tod. Ihnen zu Ehren wurde dieser Turm errichtet. Das Mahnmal selber ist eine Stiftung vom Amerikanischen Roten Kreuz. Darum auch der Name: American Monument.

Fast (!) wäre wir auch hier wieder alleine gewesen, aber bei Ankunft treffen wir auf ein Pärchen, welches sich hier niedergelassen hat und uns etwas argwöhnisch betrachtet. Wir gehen erstmal um das Mahnmal herum und genießen die Aussicht von hier aus auf die Klippen, schießen ein paar Fotos. Leute, hier gings steil begab, da kommt sogar der sonst so taffe JAN ins Straucheln und warten, dass die anderen beiden den Eingang zum Fotografieren freigeben. Wir beobachten sie, wie sie immer wieder um den Turm herum schleichen, die Blicke nach unten. Und dann dämmert es uns. Die suchen bestimmt einen Geocache. Das Verhalten ist sehr typisch. Wir beobachten, wie er kurz darauf etwas schreibt und wieder etwas in den Felsen rumkramt. Ein paar Augenblicke später verschwinden sie auch schon. Wir haben unsere Chance, die Gedenkstätte zu fotografieren und suchen einfach mal auf Verdacht an der Stelle, wo der andere sehr offensichtlich rumgekrebst hat. Und tatsächlich – kurz darauf hält JAN eine große Geobox in den Händen. Haha. Geocaching ohne App, hier ist nämlich kein Empfang. Danke, ihr zwei Unbekannten. Wir tragen uns ein und treten den Rückweg zum Auto an. Auch hier kommen wir wieder an völlig unängstlichen Highlandern vorbei, die sich sogar streicheln lassen. Einerlei sind diese Hörner aber nicht. Wir lassen sie weiter grasen und freuen uns, als wir kurz darauf ENDLICH wieder auf unseren Allerwertesten im Auto sitzen.

Mittlerweile ist es so spät, dass der Abstecher zu Ardbeg, wo heute openday ist, keinen Sinn mehr macht. Schade. So geht die Feis Ile zuende, aber auch unser Aufenthalt auf der Insel. Wir kaufen uns noch schnell etwas zu Essen und richten uns ein letztes Mal auf unserem Standplatz ein.

Ich weiß nicht warum, aber irgendwie hatte ich, als wir beide so gemütlich in unseren Stühlen sitzen, plötzlich das Bedürfnis, aufzustehen und in die Ferne zu blicken, als ich etwas großes im Augenwinkel sehe. „Guck mal, Schatz, da war ein ganz großer Fisch“ … „ahhhh NEIN, ein DELPHIN!“ Und da sehen wir sie auch richtig. Eine große Schule Delphine zieht an unserem Campingplatz vorbei. JAN flitzt schnell und holt das Fernglas und wir schauen diesen besonderen Tieren hinterher. Sogar Babys waren dabei. Ein wirklich ganz ganz tolles Erlebnis, welches wir immer im Herzen behalten werden. Immerhin die ersten, die wir in freier Wildbahn zu sehen bekommen. Ein wundervoller Abschluss für den heutigen Tag und auch für unseren Aufenthalt auf Islay. Morgen verlassen wir die Insel wieder. Aber: wir kommen wieder. Zur Feis Ile. Im Mai. Mit dem Dachzelt!

(Heute gewandert: 10 km)

Gute Nacht.