Willingen ruft: „Ziiiieeh!“

In Willingen findet jährlich im noch ganz jungen Jahr der Weltcup im Skispringen statt. Ein mega Ereignis. Über drei Tage ein Heidenspektakel, welches ca. 50.000 Leute in das kleine Örtchen Willingen lockt, die dort an und auch abseits der Schanze feiern. Apropos Schanze. Die Mühlenkopfschanze ist die größte Großschanze der Erde. Jaaaaahaa! *nicknick. Wusste ich bis letztes Wochenende auch nicht.

Genau. Letztes Wochenende. Im letzten Sommer entstand aus einer Schnapslaune heraus das Vorhaben, den Weltcup 2018 live erleben zu wollen. Wir schwärmten damals bei einem Glas Äppler unserem Freund Herrn Schnitz und seiner Gattin von diesem Erlebnis vor, welches wir vor zwei Jahren schon sehen durften. Leute, da müssen wir alle zusammen mal hin. Die beiden waren sofort infiziert. Wir Mädels stürzten uns in die Vorbereitungen. Wie lange? Welche Tickets? Wo schlafen wir? Wer fährt? Die üblichen organisatorischen Dinge wurden in den letzten Monaten geklärt und letzten Freitag war es dann endlich soweit.

Wir bestiegen den Schaukelbenz Richtung Willingen, den Kofferraum vollgepackt mit unendlich vielen Taschen, Skiklamotten, Bembelmützen (!), Lebensmitteln und jede Menge gute Laune. Die Hinfahrt zog sich ewig, aber nach ca. 2einhalb Stunden drückten wir an einem Supermarkt die Bremse, um uns noch schnell mit genug Futteralien und vor allem Getränken für das vor uns liegende Wochenende einzudecken. Kurz drauf landeteten wir dann auch schon vor unserer Ferienwohnung. Schneefall hatte mittlerweile eingesetzt und JAN war sichtlich froh, dem alten Benzemann einen Parkplatz zu besorgen und ihn für drei Tage schlafen zu legen.

Unsere angemietete Wohnung entpuppte sich als architektonische Witzigkeit. Drei Ebenen, alles noch oben offen, in einem Raum. Wir werden also in Sicht- und Hörweite zueinander nächtigen. Die Möbel und Einrichtung war ein wenig angegrabbelt, in die Jahre gekommen und bedarf mal einer Renovierung aber wir waren froh um die Lage. Mitten im Partyherz von Willingen sind wir gelandet. Alles ist fußläufig erreichbar. Bahnhof (brauchmer net), Taxistand (sehr gut), unzählige Restaurants (noch besser) und Kneipen (jipppiiieh!). Also, hier werden wir definitiv unseren Spaß haben.

Freitag, das Springen wird eröffnet

Leider mussten wir alle am Freitag noch arbeiten, so dass wir erst gegen 5 von daheim durchstarten konnten. Und trotz, dass wir uns echt beeilt , flink die Bude bezogen, kleinen Snack eingenommen, uns in Schneemännchen verwandelt und ein Taxi nach Srtyck (da ist nämlich die Schanze – und nicht in Willingen!) geentert haben, waren wir zu spät. Auf unserem Weg in die Arena kamen uns gefühlt milliarden Menschen entgegen, von denen ein paar ganz lustige Gesellen „Hyper hyper“ intonierten. ? Hyper? Hyper hyper? Jawooohl! Wir haben SCOOTER verpasst. Ach menno. So ein Ärger. War bestimmt „interessant“. Aber viel schlimmer noch: Das Feuerwerk haben wir auch verpasst. Ärgerlich! Das geht beim nächsten Mal besser. Dafür wollte aber keiner mehr unsere Tickets sehen, der Einlass war unbesetzt. Besagte Tickets werden uns an diesem Wochenende nochmal richtig beschäftigen. wfi! Die Schanze lag hell erleuchtet aber verwaist vor uns. Wir gönnten uns auf den verpatzten Auftakt ein Bierchen und steuerten damit das Partyzelt an, welches uns mit wummernden Bässen anlockte.

Schnell ein paar Euros gegen leuchtend gelbe Chips getauscht (3€ = 1 Plastikchip) und rein ins Zelt. Alter Falter. Hier kochte die Stimmung. Eine Liveband gab ganz da vornhinten alles, aber die Massen hätten auch zum Sandmännchen-Lied getanzt, so ausgelassen ging das hier zu. Die Luft kochte übrigens auch – es war hölle warm. Warum zum Teufel haben wir uns so warm angezogen? Ich hatte eine Jeans und oben drüber eine Skihose an. Obenrum kam ich schichtentechnisch sogar auf 5! Also, alles, was man sich noch einigermaßen umbinden kann, ausgezogen und durchgekämpft nach vorn. Die Jungs holten schnell ein paar Kaltgetränke (1 Bier = 1 Chip) und wir Mädels fanden einen halbfreien Tisch zum Hinstellen. Wenigstens die Becher konnte man abstellen. Dachten wir. Vonwegen – die Band gab einen Ballermannsong nach dem anderen zum Besten und die Massen sprangen im Takt. Das Zelt und unser Tisch gleich mit. Ein paar Bierchen und ein 5l-Fässi für 12 Chipse später verließen wir die Partyszenerie.

Die frische Luft tat ihr Übriges und wir wollten alle nur noch in unsere Ferienwohnung. Dieses Unterfangen gestaltete sich als sehr schwierig. Zwar ist die Fahrt nicht teuer mit 10€, nur diese Idee hatten unzählige andere Partybesucher auch. So standen wir ziemlich gefährlich nah am Bundestraßenrand und winkten jedem Auto zu, welches annähernd wie ein Taxi aussah. Nach ewiger Warterei und kurz vorm Aufgeben (dann laufn wir eben!) hatte Frau Schnitz Glück und konnte uns eine der begehrten Kutschen ergattern. Gott. Sei. Dank! Daheim in der Bude noch ein Schlummertrunk und alle, AIKA voran, sanken schnarchend in die Betten. Licht aus.

Samstag, das Event geht in die Vollen

Die Sonne blinzelt uns wach. Juhuuu. Sonnenschein und Schnee – richtig geiles Winterwetter. Der gute JAN schießt uns im benachbarten Bäcker frische Brötchen zum Frühstück und dick eingepackt und bestens gestärkt laufen wir rüber zur Schanze. Der Fußweg ist für ca. 45 Minuten eine nette Abwechslung, zumal es zwischendurch schon an einem Bierstand Freibier für alle gab. Der Hauptsponsor verkündete auf einem großen Plakat, dass das Erste auf „sie ginge“. Und tatsächlich, da steht so ne rollende Ausschenkerei und die Jungs drauf verteilen fleißig Plastikbecher mit Kaltgetränk. Na das kann ja heiter werden?! Bietet der Gute uns doch an, er könne es auch gerne in unsere „Tassen“ kippen.

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Tassen? Welche Tassen? Ei, der Depp meint tatsächlich unsere Mützen. Hey, das sind BEMBEL. Handgehäkelt! Du Kulturbanause. Und was wir uns an diesem Wochenende noch anhören mussten. „Tassen“, „Krüge“, „Kannen“ uvm. Aber ein Hingucker waren sie offensichtlich. Viele fanden sie lustig und haben uns drauf angesprochen, einige haben sich mit uns fotografieren lassen. Danke an Gisela, die Schöpferin unserer wunderbaren Kopfbedeckungen.

An der Schanze mussten wir erstmal durch die Vorkontrolle, zeigten unsere Tickets und … ähem … naja … werden leise darauf hingewiesen, dass mit unseren Tickets etwas nicht stimmt. Was stimmt denn nicht? Naja, also, wir haben zwar 4 Tickets, aber zweimal Samstag, einmal Sonntag und einmal Freitag. häh?!? Frau Schnitz hatte die Karten bestellt, bekam kurz drauf 3 Stapel geliefert, auf denen jeweils die oberste einen Tag aufgedruckt hatte. Einen mit „Fr“, einen „Sa“ und einen mit „So“. Für jeden Eintrittstag ein Stapel, denkt man da doch. Nur beim Aufklappen kam folgendes zum Vorschein (fürs Bild nochmal zusammengelegt):

Leider haben wir es versäumt, die Tickets vorher mal zu checken und gestern abend wollte keiner welche sehen, da wäre es schon aufgefallen. Nun standen wir da, Frau Schnitz war am Boden zerstört. Es nützt nichts, die Karten werden weiter hinten am eigentlichen Einlass gescannt, also würde dort ein nettes „Bitte bitte“ beim Ordner nichts helfen. Was bleibt uns übrig?! Retour in unser Domizil und hoffen, dass die Karten von gestern noch da sind. Mittlerweile sind wir auch hinter das Prinzip gestiegen. Bedruckt sind die nämlich in Reihenfolge der Tage. Das bedeutet, dass der weggeworfene Freitag-Stapel noch gültige Karten enthält. Hilfe??? Hoffentlich sind die noch da. Wir laufen also mal wieder gegen den Strom der Menschen, kriegen sofort ein Taxi – logisch, in unsere Richtung will grad keiner – stürmen die Wohnung, nehmen sofort den Müll auseinander und – uns fällt allen ein r-i-e-s-e-n-großer Stein vom Herzen. Da lag der vermeintliche Freitag-Stapel, zerknittert zusammen mit Käsepapier, Wurstverpackung und Kronkorken. Aufgeklappt auch hier: Fr – Sa – So – Fr. Auf den Schreck nehmen wir einen Schnaps, die richtigen Tickets und erneut ein Taxi zurück an die Schanze. Am gleichen Kontrolleur vorbei, der sich total für uns freut, dass alles ein gutes Ende genommen hat (denn der Samstag war komplett ausverkauft!) und wir dürfen nun endlich rein.

Rein in den Hexenkessel. Das Stadion platzt aus allen Nähten, die Stimmung ist bestens. Der Moderator ist super gut drauf. Wir suchen uns ein tolles Plätzchen, von wo aus wir alles gut überblicken können. Wir können den Anlauf sehen, den Schanzentisch und natürlich den Auslauf. Kurz nach unserer Ankunft kamen dann erst die ersten Vorspringer. Also hat unsere kleines Ticket-Desaster nichts ausgemacht.

Der Wettkampf selbst war super spannend. In insgesamt zwei Durchgängen zeigten jeweils ca. 30 Springer, was da so weitentechnisch möglich ist. Die Besten unter ihnen fliegen teilweise über die 140m-Marke hinaus. Das ist einfach nur der Wahnsinn, wenn sich ein Skispringer am Schanzentisch löst und ewig lang durch die Luft fliegt, um dann mit einem Plobb zu landen. Wahnsinn! Im Fernsehen sieht das immer so easy aus, aber wenn man direkt vor der Schanze dabei ist – unglaublich, was die Jungs da leisten. Am Ende war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den deutschen „Adlern“ und den Springern aus Polen. Gewonnen hat aber nach den beiden Durchläufen ein Norweger, der sich klammheimlich mit einem Supersprung auf den ersten Platz durchgeschoben hatte. Die Moderation vor Ort ist auch eine ganze andere als im Fernsehen. Hier gleicht das Ganze einer Faschingsparty, nur ohne Verkleidung. Die Massen wippen und tanzen zu Feiermusik und der Alkohol fließt recht ordentlich. Es macht unfassbar viel Spaß. Man kommt immer wieder mit anderen Menschen ins Gespräch. So auch eine kleinere Gruppe hinter uns, da waren zwei aus Bremen dabei, die aufgrund schlechter Handyverbindung den Spielstand ihrer Werder nicht herausfinden konnten. Dem konnten wir abhelfen. Als JAN ihnen verkündete, dass diese in der Nachspielzeit noch gewonnen hatten, wurde er von Nordlicht Bernd spontan abgeknutscht, so hat der sich gefreut. Jaja, solche kleinen Randnotizen sinds, die im Kopf bleiben und zur netten Erinnerung werden. Der erinnert sich bestimmt auch noch ne Weile an die Vier aus Hessen mit den lustigen Mützen.

Nach ca. drei Stunden war dann auch schon wieder alles vorbei und wir schoben uns mit den anderen 25.000 Menschen wieder vor Richtung Ausgang. Den Heimweg strebten wir gleich zu Fuß an, ohne den Versuch, ein Taxi zu bekommen. Das wäre völlig aussichtslos gewesen. Es hatte auch etwas Interessantes, die Massen an Menschen in den unterschiedlichsten Trunkenheitsstadien zu begleiten, die sich in Richtung Willingen wälzten. *schmunzel. Wir beschlossen, erstmal nach Hause zu gehen, uns aufzuwärmen, denn wir waren ganz schön durchgefroren und dann einen der Feiertempel zu stürmen. Aber es kam, wie es kommen musste. Erstmal der dicken Klamotten entledigt und ne Kleinigkeit zum Futtern auf dem Tisch war der Wille, sich nochmal aufzuraffen, schon verpufft. Ein paar Romméepartien später hieß es dann also auch am Samstag: Licht aus.

Sonntag, der letzte Tag

Normalerweise startet der Sonntags-Durchgang zu einer moderaten Uhrzeit. Aber da die Adler gleich im Anschluss in die Flieger zu Olympia nach Korea mussten, wurde der Start der heutigen Durchgänge auf 11:00 Uhr vorverlegt. So war unser Plan, ganz früh aufzustehen, um auch am Abschlusstag unseren Adlern nochmal kräftig ein „ziiiiieeeeeehhh“ zuzurufen, wenn die Irren am Schanzentisch abheben. Nunja, der Wecker klingelte uns zwar mehr oder weniger wach, aber hey, das IS NOCH DUNKEL da draußen. Neenee, wir drehen uns noch ne halbe Stunde rum, schlurfen dann aber doch etwas schlaftrunken an den tief und fest pennendem Ehepaar Schnitz vorbei und begeben uns in die klirrende Kälte Richtung REWE. Beute haben wir in Brötchenform und Kaltgetränke gemacht. Und siehe da, als wir zurück kamen, waren die beiden auch schon in der Senkrechten und nach einem kleinen Frühstück starteten wir zum letzten Mal an die Schanze. Uns fiel auf, dass um ein Vielfaches weniger los war als gestern. Entweder wars denen auch zu früh oder (davon gehen wir fest aus) die sind alle schon auf dem Heimweg. Schade. Auch wenn es heute dicke fette Watteschneeflöckchen schneite, war es doch trotzdem noch schön. Und die Springer gaben auch heute nochmal alles, kratzten sogar mal kurz am Schanzenrekord. Zweieinhalb Stunden später gabs die Siegerehrungen und eine große Verabschiedung vom Moderator, der den Zuschauern das Versprechen abnahm, auch im nächsten Jahr wieder mit dabei zu sein. Ganz bestimmt!

Wir traten der Schanze ein letztes Mal zuwinkend den Rückweg an, der heute oben auf der Höhe auf dem Feld etwas ungemütlicher war, denn der eiskalte Wind pfiff  uns um die bembelbemützten Ohren. Unterwegs bekam ich sogar noch einen Schneemann gebaut! *juhuu Nunja, einen kleinen, aber süß war er! Wieder zurück wärmten wir uns auf, ruhten uns aus, holten ein klein wenig verpassten Schlaf nach und zogen uns dann um, um etwas Beißbares zwischen die Zähne zu bekommen. Den ersten Fresstempel stürmten wir, „Zur Tenne“. Das gefällt uns, wir finden Platz und bestellen den auf der Karte gefundenen Äppelwoi. Juhuuu. Endlich mal kein Bier mehr. Nach ner Weile kam die sehr resolute Bedienung (Achtung, Haare auf den Zähnen, sie hat vor unsere Augen einen ganzen Tisch voller Vollhonks aus dem Laden gekegelt, die sich negativ über sie ausgelassen hatten) und teilte uns mit trauriger Miene mit, dass wir uns schonmal was anderes zum Trinken aussuchen könnten. Kein Äppelwoi mehr. Am End kam sie mit dem letzten Glas Apfelwein und drei Strohhalmen drin. *pruust DAS haben wir auch noch nicht erlebt. Nun denn, nach einem leider nicht ganz so leckeren Essen (irgendwie versprach das Lokal mehr) zogen wir weiter, um woanders noch einen Absacker zu nehmen und das Wochenende gebührlich zu verabschieden. Das taten wir gleich gegenüber im „Brauhaus“ – die haben vor der Tür einen Bierautomat! – mit einem leckeren frisch gebrauten trüben Bier, welches Herr Schnitz bedauerlicherweise mal wieder nicht verträgt und allergisch reagiert. Der Arme. Das Wochenende steckt uns aber doch ganz schön in den Knochen und wir beschließen, uns es noch einmal gemütlich in der lustigen Ferienwohnung zu machen. Wir kniffeln noch bis spät in die Nacht (Frau Schnitz hatte F-Ü-N-F Kniffel in einer Runde!!!) und sagen das letzte mal: Licht aus!

Tschüss Willingen

Zack, Wochenende vorbei. Häh? Wir sind doch grad erst ins Auto gestiegen, mensch. Verrückt, wie die Zeit rast, wenn man sie wertvoll verbringt. Herr Schnitz hat die wunderbare Idee, uns auf dem Rückweg den schönen Edersee zu zeigen. Dort ist er immer wieder zum Angeln. Klar, gerne, wir haben ja alle Urlaub an diesem Montag und nehmen uns die Zeit. Die Mini-Schnitze müssen erst halb 3 aus Kiga und Schule eingesammelt werden – das passt! Routiniert und mit perfekter Arbeitsteilung wird gepackt, geputzt, aufgeräumt und verladen. Als ob wir schon tausendmal zusammen weg gewesen wären. Und nach einem kurzen Stop im REWE, um das ganze Leergut in Münzen umzuwandeln, sind wir unterwegs an den Edersee. Der liegt idealerweise genau auf unserem Weg und wir fahren eine Runde um den riesengroßen See herum, um am Ende den Schaukelbenz abzustellen und die menschenleer Staumauer zu bewandern. Im Sommer ist hier bestimmt die Hölle los, alles ist auf Tourismus ausgelegt – aber jetzt schläft das alles einen schönen Winterschlaf. Wir lassen uns ein wenig den kalten Wind um die Nase wehen, machen ein paar Bilder und dann gehts ab nach Hause. Am gleichen Abend noch treffen wir uns bei Familie Schnitz, die endlich wieder zu viert vollständig sind, und verputzen zusammen alle Essensvorräte, die wir in Willingen nicht mehr geschafft haben.

Mann, war das toll! Willingen fetzt, Skispringen auch und mit den beiden kann man wunderbar in ein Kurzurlaub verreisen.
Danke euch beiden! Das war wirklich klasse und das machen wir hoffentlich mal wieder.