Was für ein Katzenkrimi!

Ich wünschte mir manchmal ein Denkarium, wo ich wie Dumbledore ganze Erlebnisse wie ein Faden aus meinem Kopf ziehen kann und dort hineingebe. Jederzeit abrufbar. Naja, sowas in der Art ist das ja hier, nur ein wenig anders.

Das nun Folgende schreibe ich auf, damit ich es nicht vergesse. Beziehungsweise, nein, vergessen kann ich das nicht. Aber ich bin mir sicher, ich würde viele Details vergessen. Genau aus diesem Grund ist es auch verdammt viel Text. Was jetzt kommt, glaubt echt kein Mensch. Jedem, der involviert war oder es im Nachhinein erfahren hat, kommt das vor wie eine erfundene Geschichte. Aber, wer ist so gemein und denkt sich sowas aus?!

Keiner!

Nur das Leben itself.

Alles begann von nunmehr 12 Wochen, am Sonntag, den 25.9.16. Meine Eltern haben sich zum Besuch angekündigt. Papa wollte in den nächsten Tagen helfen, unser Hoftor neu zu beplanken und zu streichen. Diesem hat die Witterung in den letzten Jahren die Farbe und Standhaftigkeit geraubt und es war mehr als renovierungsbedürftig. Phine & Mr. Miserabel waren an diesem Sonntagmorgen auch bei uns, denn wir waren am Abend vorher auf einem Konzert. Also: fullhouse here.

Es war am Nachmittag, JAN & Mr. Miserabel sind gerade los, den gestern gekelterten Äppler heimzuholen, meine Eltern parkten gerade vor der Tür ein, was ich aus dem Schlafzimmerfenster sah. Ich ging die Treppe hinab und sah plötzlich Harris (der ganz links auf dem Bild) vorm Katzenklo kauern und mache mich noch über ihn lustig: „Hey, saaagemal. Wo liegst du denn rum? Vorm Klo musste ja nun echt nicht liegen!“. Er hebt langsam den Kopf und schaut mich durchdringend an und beginnt schrecklich zu knurren, brummen und fauchen, um kurz drauf anzufangen ganz laut zu miauen, fast zu schreien. Mein Herz beginnt sofort zu rasen. Mein Gedanken drehen durch und ich rufe nur noch: „Ach du Scheiße, Harris, Harris, Harris!“ Ich nehme ihn hoch, da jaunert er noch mehr. Lasse ihn wieder runter und er schleppt sich ganz langsam in die Küche, um sich dort sofort hinzulegen und anzufangen zu krampfen und am ganzen Körper zu zittern. Oh mein Gott. Was hat unser dickes rotes Bärchen denn nur? Ich stehe bestürzt in der Küche und schaue ihn nur noch an. Meine Eltern kommen die Treppe hoch geeilt, ich kann sie gar nicht richtig begrüßen, so geschockt bin ich.

Und er macht einen dermaßen jämmerlichen  Eindruck, wie er sich versucht, am Bobbes zu lecken. Scheinbar hat er dort Schmerzen. Da muss ein Notarzt drauf schauen, da sind wir uns alle einig. Und gerade in dem Augenblick fährt JAN mit einem Teil der ÄSK-Jungs und etlichen Fässern Äppelwoi in den Hof. Papa erklärt sich bereit, mich zum Arzt zu begleiten. Aber die Jungs schicken JAN weg, den Äppler können sie auch selbst verräumen. Wir lassen also meine gerade eben von weit weg angereisten Eltern mit Phine & Mr. Miserabel oben im Haus und die ÄSKler unten im Weinlager allein und fahren mit dem sichtlich schlappen Harris zum Arzt. Zum Glück hat eine Ärztin ganz in der Nähe Notdienst. Harris war so schwach, den musste wir nicht mal in einen Katzenkorb verfrachten, der blieb einfach in einer Kiste liegen.

Unterwegs sorgt wiedermal das uns schon bekannte Phänomen „Fahrt zum Arzt“ dafür, dass er schlagartig „gesund“ wird. Kennen wir schon – ist nur Adrenalin. Er begrüßt putzmunter die Ärztin, lässt die Untersuchung artig über sich ergehen. Diagnose: irgendwas im Magen, der wäre ganz fest. Nichts Schlimmes. Sie spritzt ihm drei verschiedene Sachen und gibt ihm noch ganz viel Wasser unter die Haut. Das sollte er bis heute abend rausgepullert haben. Es soll den Darm entlasten/spülen. Aha. (Memo an mich selbst: frag in Zukunft gefälligst, was dein Tier genau hat und vorallem was ihm da gespritzt wird!)

*ringring Wochenenddienst: 110€

Wir packen unseren kleinen Simulanten wieder ein und fahren heim. Hier warten alle ganz gespannt auf uns und sind froh, dass es wohl nichts Schlimmes ist. Er ist wieder der Alte. Augenscheinlich. Als die Bande dann gegen abend Hunger hat, füttern wir alle vier – Harris haut gut rein, naja, kennen wir bei ihm ja auch nicht anders. Kurz drauf, beobachte ich, wie er zum Klo läuft und gehe hinterher. Immerhin sollten wir ja gucken! Und da sehe ich die Tragik. Er geht hinein, dreht sich dreimal und versucht zu pullern. Drückt und drückt und drückt – und nix kommt. Gleich danach das gleiche Trauerspiel wie schon heute nachmittag. Er krampft vorm Klo wie verrückt, krümmt sich und schreit dabei fürchterlich.

Wir rufen sofort bei der Notärztin an, was wir machen sollen. Sie ist total erstaunt am Telefon und fragt: „Ach herjee, er hat  also, seit sie bei mir waren, keinen Urin abgesetzt? Bitte fahren Sie sofort in die Klinik. Ich empfehle Obertshausen.“ Sie gibt uns telefonisch noch eine ellenlage Liste durch, welche Medikamente sie ihm gespritzt hat und empfiehlt erneut, dass wir uns wirklich beeilen sollten.

Schock! Wir packen also erneut unseren dicken Tiger in die Box und sitzen im Auto, diesmal Richtung Obertshausen. Diese Klinik kennen wir noch nicht und sind skeptisch. Nach ganz schlechten Erfahrungen in einer Tierklinik – nein halt, Tierzentrum – in Gelnhausen, in welcher Harris wegen falscher Diagnose schon erlöst werden sollte, vertrauen wir nur noch schwerlich. Was passiert hier grad? Wir sind krank vor Sorge.

Zum Glück liegt auch diese Klinik nicht so weit von uns weg. Zwanzig Minuten Autobahn später sind wir dort, angemeldet haben wir uns schon telefonisch und keine zehn Minuten später liegt das rote Bärchen auf dem Behandlungstisch. Jetzt merkt man ihm auch an, dass etwas nicht stimmt, nicht wie heute nachmittag in der Notfallsprechstunde. Nach unseren Schilderungen und dem Abtastbefund ergibt eine erste Diagnose eine «Harnwegsverlegung». Klingt harmlos – isses aber nicht. Leider kann der Arzt seine Blase nicht ertasten, weil Harris schlicht zu fett ist. Er muss röntgen, um eindeutig sicher zu gehen. Auf dem Bild kurz drauf ist das Ausmaß erkennbar. Die Blase ist voll, aber – und da lobt uns der Arzt – wir sind „noch rechtzeitig“ gekommen. Sie ist noch nicht komplett gefüllt. Und jetzt kommt das Heimtückische dieser Krankheit. Durch Steine (welche, muss noch extern festgestellt werden) ist der Harnweg verstopft, Harris konnte nicht mehr pullern. Hätten wir noch bis zum nächsten Tag gewartet, wäre der Urin vielleicht schon aus der Blase zurück in die Nieren gedrückt worden und hätte dort große Schäden anrichten können.

Uff – Glück im Unglück?!

Unser kleines Dickerchen muss in der Klinik bleiben. Er wird als Therapie einen Katheder bekommen, dass der Urin abfließen kann. Leider haben wir ihn kurz davor gefüttert, so dass im Moment eine Narkose zu riskant wäre. Er muss deshalb leider bis morgen früh warten. Wir ärgern uns, hätten wir mal … Ach mensch, wie man es macht … Jedenfalls verabschieden wir uns von ihm, morgen mittag werden wir mehr wissen.

*ringring Anzahlung Harris: 350€

Am Montag bekommen wir die Bestätigung, dass eine Verlegung vorlag, die Harnwege gespült wurden, Urin entfernt, Steine entfernt, Harris aber noch zwei Tage lang diesen Katheder benötigt und solange stationär bleiben muss. Er hat Struvit-Steine, das ist die harmlosere Variante von Harnsteinen/Harngrieß bei Katzen, denn diese kann man medikamentös behandeln. Er lag schlussendlich dann noch bis Freitag in der Klinik, bevor er quietschfidel wieder heim durfte. Therapieplan: spezielles urinary-Food, weg mit dem höchst bedenklichen Trockenfutter und vor allem: ABNEHMEN, abnehmen, abnehmen. Er ist viel zu fett. Da sind andere Krankheiten vorprogrammiert.

*ringring Restzahlung Harris: 750€

Wir richten uns also neu ein, mit einem nun autoimmunen und harngrießigen Katerchen.

bis …

Ja bis zum Montag, den 28.11. Keine 10 Wochen später finde ich abends einen Harris vor, den ich so nicht kenne. Er signalisiert mir sofort, dass etwas nicht stimmt. Liegt an einem für ihn untypischen Ort, hebt nicht den Kopf, sondern schaut nur mit halb geöffneten Augen in meine Richtung. Und der ultimative Test – Leckerli-Tüte-Rascheln – schlägt fehl. Ich hebe ihn hoch und er ist am Bauch extrem berührungsempfindlich und jammert sofort. Mein Herz beginnt wieder zu rasen. Ich flitze in den Hof, wo JAN an einem Auto schraubt und teile ihm mit knappen Worten mit, dass unser Fellpopo in die Klinik muss. Leider kann er mich nicht begleiten und so düse ich alleine los. Im Nachhinein frage ich mich, woher ich diese Gewissheit hatte?! Intuition? Gefühl? Gar etwas Mystisches? Ich kann es nicht sagen, ich wusste nur aus vollster Überzeugung: „Das ist ernst!“

Telefonisch habe ich uns schonmal angemeldet und bin, wieder ein glücklicher Zufall, an eine tolle Ärztin geraten. Sie nahm mich ernst, hielt mich nicht für paranoid und siehe da – das Blutbild zeigt eine schon hochgradige Bauchspeicheldrüsenentzündung. Eine Pankreatitis. Der Wert ist sehr sehr hoch. Sie behalten ihn natürlich erneut stationär und sie sagt mir immerwieder, dass es das Beste war, sofort herzukommen. Nicht auszumalen, wenn ich bis morgen gewartet hätte.

*ringring Anzahlung Harris: 300€

Der Ultraschall am nächsten Tag bestätigt noch einmal die Diagnose und sie stellen fest, dass alles schon extrem geschwollen war, der Darm teilweise seine Tätigkeit eingestellt hat und Flüssigkeit im Bauchraum war. Allerallerallerhöchste Eisenbahn. JAN bekommt am Telefon gesagt, dass es sehr ernst ist und wir eine schwerstkranke Katze im Moment da in der Klinik haben. Harris hängt an Infusionen und bekommt jede Menge Medikamente.

Wie vor den Kopf geschlagen, sitze ich in der Firma und versuche meine Gedanken zu sortieren. Was können wir tun, wenn unser Tigerchen das überlebt, damit er nicht wieder daran erkrankt. Das Netz spuckt viel Unnützes aber auch Nützliches aus. Ich lese mich in viele Sachen ein und finde auf jeden Fall schonmal heraus, dass er unbedingt fettfrei ernährt werden muss. Okay okay. Das ist jetzt schon das zweite Krankheitsbild, was von der Ernährung beeinflusst wird. Jetzt wird es langsam immer schwerer, noch ein für ihn passendes Futter zu finden.

Unser rotes Teufelchen kämpft in der Klinik und die Ärztin, die uns am nächsten Tag anruft, erzählt, dass Harris ihr ein Rätsel ist. Seine Blutwerte und Ultraschall-Ergebnisse passen nicht zu dem Tier, was da in der Box sitzt. Er macht dort den Pausenkasper, tut, als ob er kerngesund wäre. In nullkommanix hat er sich auch hier wieder zum Liebling der Station geschnurrt. So ähnlich war es schon vor vier Jahren, als er in Hofheim wegen seiner Autoimmunität so oft in der Klinik lag. Er bricht sofort alle Herzen.

*ringring Endzahlung Harris: 650€

Auch diesmal schafft er es, in Rekordzeit gesund zu werden und darf am Freitag nach Hause. Wir bekommen wiedermal Spezialfutter mit und vier Tage später sind wir nochmal zur Nachkontrolle. Der BSD-Wert ist wieder total in der Norm und auch beim Ultraschall ist nichts mehr zu erkennen. Zum Vergleich. Als er eingeliefert wurde war der BSD-Wert auf 834 (Norm < 35). Bei Entlassung hatte er immerhin noch 320. Und heute SECHSUNDZWANZIG! Uns fällt ein riesengroßer Stein vom Herzen. Diesmal wars echt knapp. Und er hat uns wiedermal gezeigt, dass er ein großer Kämpfer ist – unser kleiner Löwe. Naja, kleiner dicker Löwe. 🙂

*ringring Abschlussuntersuchung Harris: 80€

Wir verabschieden uns von den Leuten in der Klinik, in der Annahme, dass wir uns so schnell nicht wieder sehen werden.

Tja …

Glaubten wir …

An diesem Abend merken wir, dass Tiffy (die zarte Katze zweite v.l.) sich merkwürdig verhält. Sie zieht sich zurück, frisst überhaupt nichts mehr, versteckt sich. Auch sie lässt sich mit Leckerli nicht mehr locken. Echt jetzt? Was ist denn hier bitteschön los? Sind denn jetzt alle verrückt geworden? Wir wollen doch nächsten Samstag in den Urlaub fliegen?

Am nächsten Morgen schnappe sie mir, verfrachte sie in den Katzenkorb, der ja mittlerweile schon allein die Strecke fahren könnte und stelle nun also auch die zweite Katze unseres Haushalts vor. Die Mädels an der Anmeldung erkennen mich schon und wundern sich auch nur noch.

Tiffy wird (diesmal leider nicht richtig) untersucht. Ihre Blutwerte sind okay, die BSD auch. Kein Fieber. Abgetastet und ins Mäulchen geschaut ergibt sich auch kein Befund. Aber trotzdem frisst sie eben nicht und ist ansonsten auch extrem schlapp und müde. Die Ärztin spritzt ihr ein Aufbaupräparat, gibt ihr Appetitanreger und schickt mich wieder heim. Frisst sie bis morgen nicht, soll ich wieder kommen. Ich separiere sie daheim, um zu sehen, ob sie was frisst und auch, weil die Ärztin gern eine Urinprobe haben würde und wir müssen ja leider beide arbeiten gehen. JAN ist früher als ich daheim und findet eine Tiffy in einem leider unverändertem Zustand wieder.

*ringring 1. Untersuchung Tiffy: 160€

Ich habe Hühnchenfleisch gekauft und abgekocht. Die Brühe haben alle Katzen immer so sehr geliebt. Die anderen nehmen es auch dankend an. Tiffy frisst auch an diesem Abend leider überhaupt so gut wie nichts.

Am nächsten Morgen fahren wir also wieder mit Tiffy in die Klinik. Diesmal behandelt sie eine andere Ärztin, die sich erneut alles anhört, sie erneut untersucht und auch wieder das Mäulchen anschaut. Denn ich habe heute morgen an Tiffys linken Mundwinkel einen Streifen geronnenes „Etwas“ gefunden. Als ob ihr was aus dem Maul gelaufen ist über Nacht und dort festgetrocknet.

Und? Es sind die ZÄHNE! Ich finde es einfach nur schade, dass das am Tag zuvor nicht gesehen wurde. Die Kollegin hat ihr nämlich auch ins Mäulchen geschaut und meinte noch: „Die Zähne sinds nicht!“. Das ärgert mich. Aber nunja, dort arbeiten auch nur Menschen.

Die heutige Frau Doktor jedenfalls diagnostiziert FORL bei unserer kleinen Quietschemaus. FORL ist – einfach ausgedrückt – eine Krankheit, bei welcher sich die Zahnwurzeln entzünden und im Laufe dieses Prozesses absterben und verknöchern. Tückischerweise sieht man das den weißen sichtbaren Teilen der Zähne einfach nicht an, was da grad im Kiefer passiert. Und sie hat wohl schon ein paar Zähnchen abgebrochen, denn ihr fehlen schon welche. Die arme arme Maus. Was muss sie für Schmerzen haben?!

Sie bekommt jetzt das ganz große Spritzenkino. Antibiotika, Aufbauspritzen, Appetitanreger, Schmerzmittel, Entzündungshemmer. Und einen OP-Termin für drei Tage später. Aber sie darf nach Hause!

*ringring 2. Untersuchung Tiffy: 90€

Wieder daheim haben die Spritzen schon angeschlagen und sie stürzt sich auf ihren Futternapf. Zwar etwas verhalten und langsam, aber sie frisst! Wir sind unendlich erleichtert. Jetzt noch die OP am Montag gut überstehen und wir können unbesorgt in den Urlaub fliegen.

Dachten wir!

An diesem Abend beschließt unser Hetfield (der Blonde ganz rechts), die Nahrungsaufnahme einzustellen. Wir lassen ihm das mal durchgehen. Wer weiß, was er hat. Denn Hetfield war die bisher robusteste unserer aller Katzen. Vielleicht hängt ihm nur was quer. Es ist mittlerweile der 8.12., in neun Tagen wollten wir eigentlich im Flugzeug sitzen.

Am nächsten Morgen liegt er schon nicht wie gewohnt um Fußende im Bett, sondern kauert im Wohnzimmer. Zum Fressen kommt er auch nicht. Ich päppel ihm ein wenig Futter mit einer Spritze ins Maul, damit er wenigstens ein bisschen im Bauch hat. Ihm scheint irgendwie furchtbar schlecht zu sein. Er wehrt sich und speichelt. Beschließe aber trotzdem, mit der Klinik noch zu warten, weil er sich ansonsten relativ normal verhält und schnurrt und mich ankuschelt.

Am Abend sind wir leider total in Eile, weil wir eine schon ewig vereinbarte Verabredung haben. Wir messen ihm schnell noch Fieber, weil er sich heiß anfühlt, und da hat er 40,1. Fieber. Was tun? Er benimmt sich immernoch relativ normal, wirkt nur ein wenig schlapp. Wir beschließen trotzalledem erneut, eine Nacht abzuwarten. Morgen ist ja Samstag. Zur Not fahre ich morgen früh mit ihm. Als wir später wieder heim kommen, hatte er schon kein Fieber mehr.

JAN weckt mich am nächsten Morgen und meint, Hetfield ist wohl wieder der Alte. Er wäre ganz normal. Füttern hat er aber noch nicht versucht. Ich gönne mir noch ein wenig Schlaf, finde dann aber leider beim Aufstehen im Treppenhaus riesengroße Lachen grüngelben erbrochenen Schleim. Jetzt ists genug! Warten kann ich jetzt echt nicht mehr verantworten! Ich bin in Rekordgeschwindigkeit in meinen Klamotten und habe Hetfield in der Box und im Auto.

Die diensthabende Ärztin untersucht ihn. Ja, der Bauch fühlt sich hart an. Ein großes Blutbild wird gemacht. Was das betrifft, haben wir eine kerngesunde Katze. Er hat wohl eine Magen-Darm-Entzündung. Denn bösen Durchfall hat er auch, zusätzlich zur Kotzerei. Ich bekomme AB in Tablettenform und Appetitanreger (DIE kennen wir ja bereits) und werde wieder heim geschickt. Frisst er bis Montag nicht, wieder kommen!

*ringring 1. Untersuchung Hetfield: 280€

So langsam sind wir echt am Ende unserer Kräfte. Das darf doch alles nicht wahr sein. Was passiert denn hier bitteschön? Das ist doch verrückt. Kein Mensch glaubt dir das!!

Wir haben ein sehr unruhiges Wochenende hinter uns. Keiner ist so richtig auf der Höhe. Hetfield und Tiffy fressen beide nur sporadisch. Hetfield eigentlich fast garnichts. Harris frisst zwar, hat sich aber irgendwo nen Schnupfen eingefangen und schnieft uns voll. Einzig Lennox scheint auf der Höhe zu sein. Was für ein Katzen-Lazarett hier.

Montag früh schaffe ich Tiffy zur Zahn-OP und fahre weiter zur Arbeit. Auch JAN ist in der Firma, aber beide haben wir keine Ruhe, denn Hetfield macht uns sehr großen Kummer. JAN fährt dann gegen Mittag heim und ruft mich an, dass ich doch bitte auch kommen soll. Hetfield gehts echt schlecht. Wir rufen in der Klinik an, dass wir das Abholen von Tiffy mit erneutem Vorstellen von Hetfield verbinden.

Hetfield ist in einem schrecklichen Zustand. Er macht im Klo nur noch flüssige blutige Häufchen. Klar, er hat ja auch kaum etwas gefressen in den letzten Tagen. Alleine nur das AB in die Katze zu bekommen, war Höchstleistung.

Mittlerweile sind wir echt Stammgäste bzw. -patienten. Es ist echt unglaublich. Und wir dachten es uns schon – er muss dort bleiben. In diesem Zustand wäre eine Behandlung daheim unverantwortlich. Er kommt auf Station an den Tropf und es wird alles versucht, ihn wieder ans Fressen zu bekommen. Außerdem wird untersucht, ob er irgendwelche Parasiten hat, was auch zu diesem Totalausfall geführt haben könnte.

Die eine Katze wird die Treppen hoch getragen, die andere kommt im Korb wieder runter. Eine quitschige Tiffy, die überhaupt keinen Bock auf ihr Gefängnis hat, nehmen wir in Empfang. Sie ist um vier Zähne ärmer, sogar ein Eckzahn musste dran glauben. Sieht lustig aus. Aber hoffentlich wars das gewesen für die arme Maus.

*ringring OP Tiffy : 390€

Sie randaliert ganz schön auf der Heimfahrt und springt daheim wie ein junges Reh aus der Box. Naja, ein betrunkenes junges Reh. Sie hat die Narkose noch nicht ganz abgebaut. Ich bin den ganzen restlichen Abend damit beschäftigt, sie davon abzuhalten, irgendwo hochzuklettern, sie würde sich ganz schön weh tun, so tappselig, wie sie grad noch ist.

Es ist Montag abend. Am Samstag morgen wollen wir eigentlich in den Urlaub fliegen. Und nun liegt eines unserer Fellkinder in der Klinik. Wir schmieden schon Pläne, was wir mit der Reise machen. Ob vielleicht jemand anderes für uns fahren kann?!

Es ist zum Haare raufen. Mir machen uns große Sorgen um unseren großen Blonden. Ich rede kaum noch mit anderen Leuten über dieses Durcheinander, weil ich ja selbst mittlerweile kaum noch durchblicke. Am nächsten Morgen, nach einer erneut miserablen Nacht, in der ich kaum geschlafen habe, fahre ich mit Bauchweh auf die Arbeit. Dieses ständige Bauchweh in den letzten Tagen ist mit Sicherheit auch psychosomatisch. Und gegen Mittag kommt ein Anruf, mit dem ich niemals gerechnet habe:

HETFIELD DARF HEIM!

Bitte was? Gestern haben wir eine Katze dort gelassen, die in einem wirklich schrecklichen Zustand war und heute darf er heim? Wahnsinn. Das gibts doch nicht. Was auch immer sie mit ihm gemacht haben: Das war großartig. Wir fahren total aufgeregt hin und nehmen einen gutgelaunten, scheinbar völlig gesunden Kater in Empfang. Er hat zwar noch kein Häufi gemacht, aber gefressen wie ein Verrückter. Logisch, er hat ja auch fast drei Tage nichts aufgenommen. Wir sind einfach nur üüüberglücklich.

*ringring 2. Untersuchung Hetfield: 350€

Was für ein Krimi. Drei kranke Katzen mit drei völlig unterschiedlichen Krankheitsbildern? Wie geht das denn? Selbst die Mitarbeiter in der Klinik von Ameldung bis Arzt haben auch nur noch mit dem Kopf geschüttelt und gesagt, dass wir echt übles Pech hatten.

Die nächsten Tage haben wir unseren Katzen beim endgültigen Gesundwerden zuschauen dürfen. Haben bei allen das Antibiotika fertig gegeben und konnten am Freitag abend mit unseren Katzensittern eine schöne Übergabe machen. Vier gesunde Katzen, so gehört sich das!

Bitte bitte, egal, wer oder was dafür verantwortlich war. Bitte nicht noch einmal. Fast drei Wochen lang absolute Alarmbereitschaft. Wir waren mit unseren Kräften am Ende. Kaum geschlafen, jeden Tag Bauchweh. Auch finanziell tat das sehr weh. Auch wenn wir nicht groß drüber reden, aber diese Summe war echt eine Herausforderung, vorallem mit einem Kurzurlaub vor der Nase.

Wir sind glücklich, dass es alle drei so gut überstanden zu haben. Der vierte im Bunde, Lennox, darf dann im Januar (aber ohne Notdienst, ordentlich angemeldet) in die Klinik. Da müssen wohl auch ein paar Zähnchen dran glauben.

Spannend wars allemal. Aber die Art von Spannung brauchen wir nicht noch einmal.

Wirklich nicht!