Fröhe Weihnachten!

Schon seit Buchung dieser Reise wussten wir, dass wir den diesjährigen Heiligabend anders als gewohnt verbringen. Nämlich an Bord eines Kreuzfahrtschiffs mit vielen anderen Menschen, die uns bis dahin total fremd sind. Es ist für uns eine völlig neue Erfahrung. Insgeheim hofften wir trotzdem, dass sich ein wenig Weihnachtsfeeling einstellt. Trotz Sonne, trotz Wärme, trotz Schiff. Hmm, was soll ich sagen. Es war nicht wirklich so. Natürlich stand ein riesengroßer Weihnachtsbaum mitten in unserem Lieblingsrestaurant und auch diverse kleinere kugelbehängte Kandidaten fanden wir verstreut auf dem Schiff. Viele große Lebkuchenhäuser und kilometerlange Girlanden schmückten die Treppenhäuser. Aber eben dieses ganz typische heiligabendliche Gefühl wollte sich nicht einstellen. Es lief auch so gut wie keine Weihnachtsmusik. Das hat mich ehrlich gesagt etwas irritiert. Aber gut. Es ist halt ein zweischneidiges Schwert. TUI muss mit ihren Weihnachtsreisen zweierlei Gäste glücklich machen. Jene, die die Feiertage ganz besonders begehen wollen und sich mit der kompletten 3-Generationen-Familie zur Weihnachtsfeier auf dem Schiff befinden und andererseits aber eben auch jene, die all dem entfliehen wollen. Übrigens: am weihnachtlichsten war es gestern im Hard Rock Café. Da liefen auf den unendlich vielen Monitoren Weihnachtsvideos und die Kellner trugen allesamt Weihnachtsmützen.

Gestern abend waren wir dann auch endlich mal bei einer der täglich wechselnden Abendshows im Theater. Ein wenig Gesang, ein wenig Akrobatik und am Ende – das war megaschön – kam einige der auf dem Schiff arbeitenden Seelen auf die Bühne. Sie alle zusammen sangen die Schiffshymne „Große Freiheit“. Das war wirklich wunderschön und hat ein bissi Gänsehaut auf den Armen und Pipi in die Augen gemacht, auch wenn ich das Lied im Original (von „Unheilig“) gar nicht mag. Jaja, AIKA war ein wenig ge- und berührt.

HEILIGABEND. Wir starten mit dem Frühstück wie immer im Atlantik. Ein Blick aus den großen Fenstern sagt uns, dass es heute ein wundervoller Tag wird. Die Wolkendecke löste sich schon auf und die Sonne lugt durch. Perfekt. Das Schiff verlassen wir mit bester Laune, die kurz drauf erstmal ein Dämpfer erhielt. Eine Schlange vorm Car Rental ließ uns Böses ahnen. Und es ist doch tatsächlich so, dass die Familie vor uns das letzte Mietauto ergattert. Wir waren ein paar Minuten zu spät. Echt jetzt? Schon wieder?  Der gute Mann am Counter bedauert uns, versucht sogar noch telefonisch etwas zu organisieren, aber leider sind auch seine Kollegen ausgebucht. Waaaas? Neeeee. Das kann doch nicht wahr sein. Ich habe doch gestern extra noch im Netz gecheckt, ob für heute was frei ist. Genau das mache ich jetzt gleich nochmal. Und siehe da, am Flughafen stehen noch viele Autos, die nur auf uns warten. Wir organisieren uns flink ein Taxi, lassen uns an den nur 10 Euro entfernten Flughafen fahren und werden bei payless Ein-Tages-Besitzer eines kleinen blauen Corsa. Sehr neu und fast jungfräuliche 11.000 Kilometer drauf. Yes. Geht doch! Von wegen, kein Auto mehr.

Wir steuern mit dem kleinen hOppel sofort Richtung Norden durch. Dort liegt Corralejo – unser Ziel. Da waren wir vor vier Jahren schonmal und fanden die Ecke sehr schön. Also generell fanden wir Fuerteventura damals wunderschön. Wir lieben diese raue, schroffe Schönheit und die Menschen, die hier leben. Wer hierher kommt, muss schon ein Herz für diese karge Landschaft haben. Wir haben uns für die knapp 7 Stunden, dio uns auf Fuerte bleiben, garnicht so viel Programm gesteckt. Immerhin waren wir schon mal ne ganze Woche hier und denken, dass wir damals fast alles gesehen haben. Wir werden heute also nur genießen, ein wenig cruisen und den einen oder anderen Geocache mitnehmen.

Zirka eine halbe Stunde später erreichen wir die uns schon bekannten großen Sanddünen. Da wo der Wind immer den Sand quer über die Straße fegt. Ein klein wenig mutet es wie ein Schneesturm an. Hey, Winterfeeling … 🙂 Wir steuern den Corsa an den Straßenrand und lassen und Wind und Kratzesand um die Nase wehen. Weiter unten peitschen die Wellen an den Strand. Ein Paradies für Surfer und Seegler. Und Drachenflieger. Hier sind wir vor vier Jahren in die Wüste hineingelaufen, um dort einen Cache zu finden. Das war toll. Wir machen diesmal aber nur einen kurzen Stopp und hüpfen wieder ins Auto. Vielleicht ist es ja in Corralejo wenig stürmisch?!

Die Stadt ist noch genauso, wie wir sie beim ersten Besuch kennen gelernt haben. Quirlig, lebendig und typisch Urlaubsort. Die Hauptstraße quillt über an Restaurants, Bar und Amüsierläden und Gästen, die genau das suchen. Wir fahren aber weiter zum Hafen, quetschen den blauen Flitzer in eine Lücke und laufen los. Unser Ziel? Es gibt keins. Wir wollen einfach ein wenig die Seelen baumeln lassen, die Sonne genießen und ein wenig weihnachtlichen Frieden finden. Das kann man hier wunderbar.

Die Amüsiermeile von Corralejo überlassen wir dann doch den unzähligen Heiligabend-Feiernden und lenken das Autochen wieder in Richtung Süden. Ich schlage einen Abstecher an die Westküste vor. In Los Molinos, so scheint es mir, waren wir damals nicht gewesen. Hier angekommen sind wir zweierlei Meinung. Ich sage – nö, kenn ich nich. JAN sagt – klar, warnwer schon hier. Ein recht verlassen wirkendes Fleckchen Erde. Aber eine Hausnummer „38“ haben sie. Supi, passt ja. Die Sonne hat leider grad Sendepause, es ist regelrecht düster und wir ziehen uns in das einzige Restaurant am Platze zurück. Heimelig wirkt das hier zwar nicht, eher ein wenig heruntergekommen. Aber hey, es watscheln so lustige riesengroße Enten über die Terrasse, hier lassen wir uns für ein paar Tapas nieder. Und siehe da, das Essen entpuppt sich als absolut erstklassig. Wir haben ein spanisches Omelett und Knoblauchgarnelen. Zusammen mit Baguette und einer typisch kanarischen Soße, die sich Mojo nennt, war das einfach nur ein geiler Gaumenschmaus. Die Enten haben uns nach Brot angebettelt und JAN war ihr bester Freund. Auf dem Weg zurück zum Auto kam uns der ganze Schwarm nachgelaufen und -geflogen. Sehr lustig. Und man beachte unbedingt:

„Hausfriedensbruch in die Schlucht, weiter auf Weg aktiviert.“

Weiter auf Weg aktiviert fahren wir wieder in Richtung Ostküste, wo unser Luxusdampfer liegt. Vorbei wieder an dieser (ich fürchte ich wiederhole mich) einfach nur megageilen Landschaft. Ich bin total verliebt in diese graubraunen Berge, die mäßig begrünten freien Felder, immerwieder auftauchende Mühlen mit ihren Windrädern und den verstreuten Häuschen, wo man sich immer fragt: „Wohnt da wirklich jemand?“.

Da wir ein wenig Zeit übrig haben, entscheiden wir uns, einen Abstecher nach Caleta de Fuste zu machen. Da waren wir beim letzten Besuch auf dieser Insel untergebracht. Wir finden den Pub „O’Connors“, in dem wir damals jeden Abend saßen und der genialen Liveband gelauscht haben. Und ist es nicht verrückt? Vinny & Lluc alias „The Paddywacks“ treten noch immer jeden Abend dort auf. Leider müssen wir weiter, sonst hätten wir die beiden mal besucht. Wir suchen und finden noch zwei Caches an der Küste von Caleta und dann gehts nun doch zurück an den Flughafen. Wir rufen uns ein Taxi zurück zum Terminal und …

ja … gehen das letzte mal an Bord. Traurig? Ja, bin ich. Ein wenig Wehmut schwingt mit, als wir das letzte mal als Passagiere an dem riesengroßen Pott vorbei Richtung Gangway marschieren. Ein letztes Mal unsere Bordkarten einlesen lassen und mit Vornamen begrüßt werden. Hach … Ich schieße ein paar Bildchen von unserem Weg ins Zimmer und was wir dort auf dem Bett vorfinden, ist doch einfach nur zuckersüß, oder?

FRÖHE WEIHNACHTEN!

Für den heutigen besonderen Tag haben wir in unsrem Lieblingsrestaurant einen Weihnachtstisch reserviert, aber bis dahin ist noch Zeit. Wir sitzen vorher noch ein wenig an der Poolbar und genießen mit untergehender Sonne die letzten Blicke auf die Insel, die wohl immer besonders für uns sein wird von all den kanarischen Inseln.

Wir hinterlassen unsere wirklich tollen „ousekiiipink“-Jungs ein kleines Weihnachtsgeschenk, machen uns fein und sind pünktlich zur reservierten Zeit im Atlantik. Leider steht der uns zugeteilte Tisch nicht in Aldins Bereich aber immerhin in Blickreichweite. Als er uns entdeckt, kommt er sofort zu uns, mahnt im Spaß unseren Kellner an, er solle ja ganz lieb zu uns sein. Wir wünschen uns gegenseitig „Fröhliche Weihnachten“ und er uns zusätzlich noch einen schönen Abend. Den haben wir auch. Sie haben mit dem Festtagsmenü noch so richig ne Schippe draufgelegt. Mjamm, das war verdammt lecker. Zur Suppe habe ich meinem total verdattert drein schauenden Gatten auch ein kleines Geschenk serviert. Seine Augen wurden ganz rot, weil er so gerührt war. Und wegen der  Musik und überhaupt der ganze Weihnachtsstimmung im Saal. Er hat mit keiner Silbe damit gerechnet, dass ich tatsächlich ein kleines Geschenk als blinden Passagier an Bord geschmuggelt habe. Und ich glaube, er hat sich auch gefreut.

Wir schauen uns danach noch die Weihnachtsshow im Theater an und lassen diesen besonderen Heiligabend mit einem Cocktail an der Bar ausklingen. Ein gelungener, toller, leckerer und emotionaler Abend. Und wir sind um eine Erfahrung reicher.

Ein letztes mal „Ahoi“ von der MeinSchiff2. Morgen gehts von Bord und wieder nach Hause.