(K)ein schönes Pfingstwochenende

Da hat uns der gute JAN aber ein dickes Ei ins Pfingstnest gelegt ….

Als er vor ein paar Wochen auf Baustelle in einem kleinen Örtchen nahe der holländischen Grenze war, hat er sich die AIKAlosen Abende in einem netten Pub verkürzt. Er lernte dort eine handvoll Leutchen kennen, vorallem der Wirt muss wohl ne besondere Marke gewesen sein. Marke Holländer, Marke cooler Typ. Auf meiner heimischen Couch lauschte ich spätnachts nach seiner Heimkehr aus dem Biertempel  gern seinen Erzählungen über witzige Bingo-Abende, stammtischschwangere Problemgespräche und urige Bierausschenker. Dort traf er sporadisch immer mal wieder einen anderen Bierkumpel. Nennen wir ihn Thomas. In einem Telefonat mit JAN erfuhr ich, dass der ein wirklich feiner Kerl wäre, auch fußballaffin, einem abendlichen Bierchen in der Kneipe nicht abgeneigt. Ich glaubte, hey, da hat mein Herzblatt ein wenig Ablenkung in der Ferne und freute mich, dass er dann doch nicht so ganz einsam war.

Wieder daheim schwärmte der gute JAN schon fast von der Bierkneipe in niederländischer Hand und man müsse da unbedingt mal hin. Die Tage verstrichen und per Whatsapp schrieb der gute JAN immer wieder mit Thomas. Man erzählte vom Alltag und Fußball. Und der Gute äußerte den Wunsch, uns doch mal zu besuchen. Er wolle gern sehen wie und wo wir leben und man habe sich doch vor Ort so gut verstanden …

Gesagt getan – auf JANs Menschenkenntnis vertrauend – stimmte ich einem Treffen mit dem mir bis dato völlig unbekannten Menschen zu. Was soll schon passieren? 🙂 Vereinbart wurde das Pfingstwochenende, Samstag abend bis Dienstag früh. Wir machten uns Gedanken, was wir mit ihm gemeinsam machen können. Wir werden ihm ein wenig unsere Gegend zeigen und etwas unternehmen. Auf „unserer“ Burg war drei Tage Ritterspektakel. Für Leute, die das erste mal dort sind, ein Highlight. Auch hat vor kurzem ganz in der Nähe ein Abenteuergolfplatz eröffnet, dort werden wir mit unserem Besuch ne Runde drehen und wenn es das Wetter zulässt, gehen wir ne richtig große Runde Geocachen.

Pfingsten rückte näher, er erkundigte sich am Abend davor noch, was die Dame des Hauses an „Süßkram“ möge und wir freuten uns auf ein schönes Wochenende mit einem netten Menschen!

Er reiste an, JAN begrüßte ihn und …

… ich durfte eine ganz üble Sorte Mensch kennen lernen. Eins vorweg: JAN tut es unendlich leid für mich und das hat er selbstverständlich so nicht gewollt!

Ich ging auch in den Hof, um den Neuankömmling zu begrüßen, streckte ihm die Hand hin, stellte mich artig vor und er schüttelt meine Hand und dreht sein Gesicht weg. Kein Ton, keine Regung. Da zog ich das erste Mal die Augenbrauen hoch. Und es sollten noch so viele AugenbrauenhochziehermitAugenverdreher an diesem Wochenende folgen. Wir gingen zusammen ins Haus, nicht ohne dass er schon im Hof eine abfällige Bemerkung über den baulichen Zustand unseres Fachwerkherzstücks machte. Es ging drinnen weiter. Wir klärten ihn auf, dass das Treppenhaus momentan eine Baustelle ist: „Hm, ja sieht man!“ Sein Gästezimmer stellte ich ihm mit den Worten vor: „Unser bescheidenes Gästezimmer“. Er: „reicht aus …“ Ich: *augenroll. Wir stiegen die Treppe hoch, Wohnzimmer-Küche-Esszimmer-Balkon. Aaaaah Fernseher. „Sky?“. Na, da war ich aber froh, dass wir tatsächlich (noch) Sky haben. Kaum da – Glotze an und Fußball drauf. Okay, ich geb zu – wichtige BL-Konferenz – die Letzte der Saison. So war ich für ca. zwei Stunden kommunikationstechnisch außer Gefecht gesetzt aber konnte ganz prima meine Gedanken sortieren.

Dieser Mensch war mir innerhalb der ersten Minuten dermaßen unsympathisch, so dass ich da schon am liebsten schreiend davon gelaufen wäre. Aber ich bin ja ein gut erzogenes Mädchen und bekam die noch folgenden zweieinhalb Tage ganz viel Gelegenheit, meine Beherrschung zu skillen. Ich mag ungern jetzt das ganze Wochenende in allen Einzelheiten durchkauen und alles aufzählen, was mich auf die Palme getrieben hat.

Trotzdem: Dieser Mensch vereint alles in einer Person, was ich nicht, ÜBERHAUPT nicht, ausstehen kann.

Er ist ein
• Besserwisser
• Proll
• Snob
• Nörgler
• Schwindler
• Aufschneider
• Faulenzer
• Schauspieler
• Stammtischlaberer
• Frauenverachter
• Fußballvollidiot
• Unendlichdummermensch

Selten habe ich jemanden kennen gelernt, der alles – WIRKLICH ALLES – besser weiß. Und es vergingen keine fünf Minuten, in denen der mir nicht ins Wort fiel, keinen Satz konnte ich richtig aussprechen. Ich kam mir teilweise vor wie ein kleines dummes Mädchen. Ich habe es gehasst, was dieser Typ aus mir gemacht hat. Wie oft ich mit stumm zuschnappendem Mund dasaß, kann ich kaum zählen.

Wir saßen am Frühstückstisch, welcher sich bog unter dem Angebot, inkl frisch gekochten Eiern … Er: “Rühreier mag ich lieber“ und über die Wurst schauend: „Ich kauf keine abgepackte Wurst“. Ich: *augenroll. Später beim Abenteuergolf: „naaaarg, kenn ich schon. Minigolf hab ich schon im Blabla-Urlaub gespielt“ und außerdem käme ‚eh gleich der Regen. Eins nach dem anderen von JAN spendierten Bier verschwindet schön in seinen unförmigen Bauch, das Spielen ist selbstverständlich auch aus unserer Tasche zu zahlen. Ich schämte mich unendlich für die „Selbst-Gespräche“, die auch andere Regenpausierer mit anhören mussten. Nachmittags besteigen wir die Burg: „hmm Mittelaltermarkt gibt auch bei uns. Nur größer“. Ich: *augenverdrehundroll. Wir ziehen von Büdchen zu Büdchen. Freilich nicht ohne aus der JANundAIKAschen Geldbörse gezahlten Eintritt & Getränke. Eines der feilgebotenen Biere schmeckt dem verwöhnten Bierschlund aber nicht, er kippt mal eben einen vollen Krug Bier in die Rabatte. Die Frage, ob es jemand anders mag, kam ihm nicht in den Sinn, warum auch, war ja kostenlos. Wieder daheim koche ich, mega leckeres Fresschen, Schweinefilet-Gratin. Habe mich extra an die große Liste gehalten, in welcher er uns im Vorfeld mitteilte, was er nicht isst. Ich frug damals nur, ob irgendwelche Unverträglichkeiten existieren und es kam eine lange Essichnich-Mäkelliste. Mein Gratin war mir wirklich toll gelungen, das Fleisch schön zart, zerfiel beim Reinbeißen. Diesmal, vorfreute ich, bedankt der sich vielleicht endlich mal. Pfft! „Naja, Schweinefleisch wird schnell knochenhart. Der Übergang geht ganz schnell“. Ich: *augenrollverdrehundzungebeiß

Wie soll ich damit umgehen? Ich hatte kurz das Bedürfnis, meinem Mann den Hals rumzudrehen, sah ihm aber an, dass er genauso litt. Wir haben den Teufel reingelassen. Nicht eingeladen, das hatte er ja selbst getan.

Der letzte volle Tag muss noch irgendwie rumgehen, ich schaff das. Augen zu und nie wieder sehen! Das war mein Motto, nachdem ich mich am Abend davor sehr schnell ins Bett verabschiedete, nur um eine Etage höher schlaflos an die Decke zu schauen. Wir vereinbarten mit Blick aufs gutvorhergesagte Wetter eine große GC-Runde durch einen angrenzenden Wald und ich holte mir Schützenhilfe mit dem Hund einer Freundin. Der freut sich immer wie ein Schnitzel, wenn er mit uns in den Wald darf und so stoppten wir auf den Weg zum Geocachen noch kurz am neugebauten Haus, wo „Hennes“ mit Frauchen seit ein paar Wochen wohnt. Unser selbsternannter Professor/Doktor/Ingenieur/Sachverständiger stellte sofort mit einem nonchalanten Schnöseln fest, dass er „solche eckigen Kästen garnicht mag und diese Buden sowieso immer nass sind“. Ich & JAN: *AUGENROLL. Achja, und Hennes wäre auch niemals ein reinrassiger Hund, das sähe er, „da is n Collie mit drin. Ich kenn mich da aus“. Neee, du Blitzmerker. Hennes ist ein reinrassiger Australian Sheppard.

Später im Wald hat er uns GC-Profis dann erklärt, wie „Geokätsching“ eigentlich richtig geht und hat mir auch erzählt, dass er genau weiß, wie mein Beruf heißt. Nach mehreren Tagen raffte er sich nämlich dann doch mal dazu auf, Interesse am Gegenüber zu zeigen und wollte wissen, was ich beruflich täte. Ich fing an zu erzählen, dass das schwer zu beschreiben ist, da es kein Beruf mit eigenständigem Namen ist, aber ich in einer Druckerei in der Vorstufe sitze. „Jaja, Schriftsetzer heißt das. Ich kenn mich da aus“. Ich: *augenrollaufstehundweglauf. Ich hatte ZUM GLÜCK meinen Ausleih-Beruhigungshund, eingeklappte Ohren und das ganzganzganz dicke Fell dabei. Und immer die Worte im Kopf: „Morgen isser weg. MORGEN ISSER WEG!“ Unnötig, zu erzählen, dass er sich das ganze Wochenende von mir bedienen lies, alles vor den Arsch getragen bekam, ob Kaffee, Bier oder Essen. Und nicht einmal, echt jetzt, nicht ein EINZIGES mal „Danke“ sagte!! Unfassbar.

Gestern früh ist er ENDLICH abgereist (ohne ein abschließendes „Danke“) und ich fühlte mich wieder wohl im Haus. Unser Haus, unsere Wohlfühlzone, unser Rückzugsort. JAN hab ich gehörig die Leviten gelesen, er versicherte mir noch tausendmal, dass es ihm unsagbar leid tut. Das hat er so nie gewollt. Diese Person habe er dort ganz anders wahrgenommen und sich eben gründlich getäuscht. Er hat das ganze Wochenende genauso gelitten.

Wir sind uns einig: Den sehen wir nicht wieder. Lieber lass ich mir ins Knie schießen oder alle Fußnägel einzeln ziehen, als noch einmal Zeit für diese Person zu verschwenden. Ich will diesen Menschen nie wieder sehen!

Das war KEIN schönes Pfingstwochenende.

PS: Achja, „Süßkram“ hatte er nicht dabei … Vielleicht selbst gefuttert?

8 thoughts on “(K)ein schönes Pfingstwochenende

  1. Unfassbar gut geschrieben! Habe es gern gelesen und mit euch gelitten! Bin gerade das erste Mal über euren Blog gestolpert und freue mich jetzt schon auch alles weitere zu lesen 🙂

  2. Oh jeeeh da habt ihr ganz schön was mitgemacht 🙁
    Am besten gefällt mir die Erkenntnis „Wir haben den Teufel reingelassen“ – das also war des Pudels Kern; nur eben in der heutigen Zeit

    Auf den Schreck müssen wir einen wegzwitschern

  3. In der Tat: unfassbar! Schlimm war auch, wie er Tiffy & Co. immer mit der Hand weggejagt hat und blöde Witzchen über Fellmützen gemacht hat, die er aus ihnen machen könne. Weißt du, bei anderen Leuten hätt ich mit Sicherheit drüber geschmunzelt. Bei dem aber nicht. Nicht ansatzweise witzig!

  4. Hab Grad die Geschichte gelesen absolut der Hammer
    Wie kann sich ein Mensch so benehmen bei Leuten die er nicht kennt und die ihn freundlich aufgenommen haben. Unfassbar.

  5. Und ich bin so wahnsinnig stolz auf dich. Schön, dass dich unser Geschreibsel erreicht … 🙂
    Und bei Gelegenheit erzählen wir dir dann persönlich, dass ER sogar wusste, wo das Problem bei eurem liegengebliebenen Auto lag … Unglaublich, aber selbst dazu wusste er alles besser! :))

  6. Ich habe alles gelesen 😀 unglaublich, aber ich habe echt alles gelesen 🙂 und ich schwöre das diese Story Filmreif ist .hehehehe.

    Lg Ben (der eigentlich nie was ließt)

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